Neue Prognose Weißes Haus befürchtet bis zu 240.000 Corona-Tote in den USA

Präsident Donald Trump warnt die US-Bürger vor "harten Wochen". Die jüngsten Infektionszahlen sind ernüchternd - und die Prognosen noch schlimmer.
Donald Trump vor dem Weißen Haus: "Es ist eine Frage von Leben und Tod"

Donald Trump vor dem Weißen Haus: "Es ist eine Frage von Leben und Tod"

Foto: ALEXANDER DRAGO/ REUTERS

Über Wochen und Monate hatten Donald Trump und sein Stab im Weißen Haus alles getan, um die Bedrohung durch das Coronavirus kleinzureden. Die Krankheit werde sich "wie durch ein Wunder" (Trump) verflüchtigen. Schon zu Ostern wollte der Präsident zuletzt wieder volle Kirchen und eine brummende Wirtschaft sehen. Dieser Ton hat sich jetzt, analog zu den rapide steigenden Fallzahlen in den USA, gründlich geändert. Das Weiße Haus geht inzwischen von Todeszahlen zwischen 100.000 und 240.000 Menschen aus.

"Wir wollen, dass die Amerikaner auf die harten Tage vorbereitet sind, die vor uns liegen. Wir werden zwei sehr harte Wochen durchmachen und hoffentlich, wie die Experten vorhersagen, dann Licht am Ende des Tunnels sehen", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) in Washington.

"Wir werden Tausende Menschen verlieren", so der US-Präsident weiter. "Wir verlieren hier potenziell mehr als man in einem Land in Weltkriegen verliert." Daran sei nichts Positives zu finden. "Aber ich will den Menschen Hoffnung geben."

Dabei sind die neuesten Statistiken alarmierend. In den USA ist die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben an nur einem Tag um 865 gestiegen. Fast die Hälfte der Todesopfer gab es im Bundesstaat New York. "Es ist absolut entscheidend für das amerikanische Volk, die Richtlinien für die nächsten 30 Tage zu befolgen. Es ist eine Frage von Leben und Tod", betonte Trump in Washington.

Die Coronavirus-Koordinatorin des Weißen Hauses, Deborah Birx, sagte einen Höhepunkt der Todesfälle in den kommenden zwei Wochen voraus. "Es gibt keine Wunderkugel, es gibt keinen magischen Impfstoff oder Therapie. Es ist nur unser Verhalten: Wie wir uns verhalten, kann den Verlauf dieser viralen Pandemie in den nächsten 30 Tagen verändern", erklärte Birx vor Reportern und prognostizierte einen Anstieg der Todesfälle auf 100.000 bis 240.000 Menschen in den kommenden zwei Wochen. Die in der Krise als Referenz etablierte Johns-Hopkins-Universität in Baltimore weist auf ihrer Website  derzeit mehr als 184.000 Infizierte im Land aus.

Deborah Birx: "Es gibt keine Wunderkugel, es gibt keinen magischen Impfstoff"

Deborah Birx: "Es gibt keine Wunderkugel, es gibt keinen magischen Impfstoff"

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JONATHAN ERNST/ REUTERS

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So hatten und haben die USA einen erheblichen Rückstand im Testprogramm. Auch viele Krankenhäuser sehen sich für den Ansturm an Patienten nicht gerüstet (Lesen Sie hier einen Vor-Ort-Bericht aus New York City von SPIEGEL-Korrespondent Marc Pitzke). Um diesem Mangel entgegenzuwirken, hat die US-Regierung mit dem Aufbau von Hunderten behelfsmäßigen Krankenhäusern in der Nähe ihrer Großstädte begonnen.

Mobile Krankenhäuser sollen die Engpässe beheben

"Dies ist der Punkt, an dem wir auf die nächste Woche vorbereitet sein müssen, weil wir mit einem enormen Anstieg der Fallzahlen rechnen. Was ich letzte Woche ganz klar angefragt habe, war, dass hier militärmedizinisches Personal eingesetzt wird", sagte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio im Billie Jean King National Tennis Center in Queens, wo ein Feldlazarett gebaut wurde. Das Tenniszentrum ist normalerweise der Austragungsort der US Open, die in diesem Jahr wie geplant am 24. August stattfinden sollen. De Blasio, ein Demokrat, sagte, er habe das Weiße Haus um weitere 1000 Krankenpfleger, 300 Atemtherapeuten und 150 Ärzte bis Sonntag gebeten.

Das US-Militär funktioniere derzeit Hotels, Kongresszentren und große Freiflächen in 341 temporäre Krankenstationen um, erklärte Generalleutnant Todd Semonite dem Sender ABC. Das Korps hatte das Kongresszentrum in New York City innerhalb einer Woche bereits in ein Tausend-Betten-Krankenhaus umgewandelt.

jok/dpa/Reuters
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