Weltpremiere in Stockholm Ärzte retten Patienten mit Luftröhre aus Stammzellen

Es ist eine medizinische Sensation - und die Erfüllung einer lang gehegten Vision: Erstmals haben Ärzte einem Patienten eine künstliche Luftröhre eingepflanzt, deren Gewebe aus Stammzellen gezüchtet wurde.
Implantation einer künstlichen Luftröhre: 36-Jähriger nach gelungener OP wohlauf

Implantation einer künstlichen Luftröhre: 36-Jähriger nach gelungener OP wohlauf

Foto: Karolinska University Hospital/ dpa

Stockholm - Organe aus dem Bioreaktor - davon träumen Forscher und Mediziner schon seit etlichen Jahren. Zwar steigt hierzulande die Zahl der Organspenden, dennoch stehen Tausende von Patienten jährlich auf der Warteliste für ein geeignetes Spenderorgan. Ihre Hoffnung könnte gezüchtetes Gewebe sein - entstanden aus den eigenen Zellen des Patienten, um die gefürchtete Abstoßungsreaktion durch das Immunsystem zu vermeiden.

Die Produktion von Geweben im Labor entwickelt sich rasant, Tissue-Engineering nennt sich das Fach: Erstmals haben Ärzte am 9. Juni in Stockholm einem Patienten erfolgreich eine maßgeschneiderte künstliche Luftröhre eingepflanzt. Ihr Gewebegerüst ist synthetisch - das Gewebe selbst wurde aus Stammzellen des Patienten gezüchtet.Zuvor hatte das Team um Macchiarini bereits einer weiteren Patientin eine Stammzellen-Luftröhre verpflanzt, deren Gerüst jedoch von einem Spender stammte.

Wie der Chef des internationalen Chirurgenteams am Karolinska Universitätskrankenhaus, Paolo Macchiarini, am Freitag mitteilte, ist der 36 Jahre alte Mann auf dem Weg der Besserung. Einen Monat nach der Operation durfte er das Krankenhaus nun verlassen. Die Transplantation war seine letzte Hoffnung: Der Stockholmer Patient litt an einem fortgeschrittenen primären Luftröhrenkarzinom, das trotz intensiver Strahlentherapie bereits auf sechs Zentimeter Länge angewachsen war und fast die ganze Luftröhre blockierte. Eine geeignete Spender-Luftröhre war nicht in Sicht.

Zellen auf der Kunströhre

Nach Angaben des Karolinska-Instituts ist es das erste Mal in der Medizingeschichte, dass eine solche Prozedur geglückt ist. Das künstliche Luftröhrengerüst formten Mediziner vom University College London, es besteht demnach aus speziellen Nanoverbundwerkstoffen, also aus künstlichem Material. Anschließend besiedelten die Ärzte diesen Träger mit den Stammzellen des Patienten, die meistens aus dem Knochenmark entnommen werden.

Damit die Zellen auf der künstlichen Luftröhre wachsen, ist eigens ein spezieller Bioreaktor notwendig, den eine Bostoner Firma entwickelt hatte. Darin werden die Verhältnisse des natürlichen Blutkreislaufs simuliert. Zwei Tage lang bebrüteten die Ärzte nach eigenen Angaben das Kunststoffgerüst mit den Stammzellen, bevor sie die künstliche Luftröhre dem Patienten einpflanzten.

Bereits in der Vergangenheit hatte Macchiarini anderen Patienten Luftröhren verpflanzt. Allerdings war die Prozedur seinerzeit noch etwas anders: Es handelte sich um die Organe toter Spender, die von den Spenderzellen befreit und anschließend mit patienteneigenen Stammzellen besiedelt worden waren.

Jetzt hoffen die Forscher, weitere Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Insbesondere für Patienten im Kindesalter könne das Tissue-Engeneering ein großer Vorteil sein, betonte das Institut, da für sie kaum Spenderluftröhren zur Verfügung stünden.

cib/dpa
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