Ärzte warnen vor Infektionen im Stadion "Wenn geschrien und gejubelt wird, kann es blitzschnell gehen"

Schon ein Superspreader auf der Tribüne würde reichen: Der Marburger Bund hält die Rückkehr von Zuschauern beim Fußball für hochriskant. Das DFL-Konzept gegen Infektionen sei "unrealistisch".
Tribünen mit Pappaufstellern in Mönchengladbach (am 4. August): Marburger Bund findet klare Worte

Tribünen mit Pappaufstellern in Mönchengladbach (am 4. August): Marburger Bund findet klare Worte

Foto: Martin Meissner/ AP

Sollten Fans wieder in deutsche Fußballstadien vorgelassen werden? Diese Frage wird seit der Lockerung der allgemeinen Corona-Beschränkungen diskutiert. Gerade hat sich der Erste Bürgermeister von Hamburg dafür ausgesprochen, unter Auflagen den Besuch der Spiele wieder zu erlauben. Doch die Gegenstimmen sind ebenso deutlich. Nun hat der Ärzteverband Marburger Bund Stellung bezogen.

Er warnt mit Nachdruck vor einer Fan-Rückkehr in der Bundesliga. "Die Gefahr von Massenansteckungen wäre real. Wenn wir Pech haben, sitzt ein Superspreader unter den Fans, und das Virus breitet sich wie ein Lauffeuer aus", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Die Hygiene-Oberärztin bekräftigte vor den Beratungen der Gesundheitsminister der Länder über eine Zuschauer-Teilzulassung in Stadien mit Schutzauflagen ihre Bedenken: "Das ist ja das Tückische an Covid-19: Jemand kann überhaupt noch keine Beschwerden haben, aber trotzdem steckt sein Rachen schon voller Viren. Und wenn dann geschrien und gejubelt wird, kann es blitzschnell gehen."

Zu dem in der vergangenen Woche vorgestellten Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für einen erst reduzierten Wiedereinzug der Fans ohne Besetzung der Stehplätze, Alkohol und Gästefans sowie mit personalisierten Tickets, sagte Johna: "Die Bestrebungen der Liga sind mehr als nachvollziehbar. Aber dass ihr Konzept Ansteckungen verhindert, halte ich für unrealistisch."

Sie selbst schaue sich sehr gern Fußballspiele im Stadion an und vermisse das, könne sich aber gerade deshalb nicht vorstellen, dass Fans auf ihren Sitzen blieben, wenn ihre Mannschaft ein Tor schieße. "Da liegt man sich in den Armen und denkt nicht an Corona. Alles andere wäre geradezu unmenschlich", so die Ärztin.

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Argument des Hamburger Bürgermeisters: In der Elbphilharmonie klappt es doch auch

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hatte sich hingegen für Bundesliga-Spiele mit Fans in den Stadien ausgesprochen. Der SPD-Politiker sagt "Bild": "Warum soll es nicht möglich sein, ein Fußballstadion mit einigen Tausend Zuschauern aufzumachen?"

Es müsse um die Verhältnismäßigkeit gehen. "Das, was angesichts von Risikoschutz möglich ist, sollte man machen." In Hamburg sei es in der Elbphilharmonie bereits möglich, Konzerte mit bis zu 750 Personen auch live zu verfolgen.

Bei einer Schaltkonferenz am Montag wollten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über das Konzept der Deutschen Fußball Liga austauschen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Entscheidungen seien aber nicht zu erwarten.

jok/dpa
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