Übertragung durch Mücken RKI rechnet mit Ausbreitung von West-Nil-Fieber in Deutschland

Im Sommer ist Mückenschutz gefragt: Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass sich das tropische West-Nil-Fieber in Deutschland etablieren wird. Die Symptome reichen von Fieber bis Hautauschlag.
Kleine Blutsauger: Mücken übertragen das West-Nil-Virus

Kleine Blutsauger: Mücken übertragen das West-Nil-Virus

Foto: Andreas Lander/ dpa

Als würde die Ausbreitung eines Virus nicht schon reichen, rechnet das Robert Koch-Institut (RKI) nun mit einer weiteren Krankheit, die bis vor Kurzem in Deutschland keine große Rolle gespielt hat: Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen und ist laut RKI offenbar in der Lage, in Deutschland zu überwintern.

Im vergangenen Jahr wurden die ersten Übertragungen innerhalb Deutschlands gemeldet. Fünf Menschen hatten sich in dem bisher betroffenen Gebiet im Osten Deutschlands (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin) mit dem West-Nil-Virus infiziert. Experten gehen davon aus, dass es vermutlich Hunderte mehr waren, ohne es zu wissen. Zuvor war der Erreger nur in seltenen Fällen bei Urlaubern nachgewiesen worden.

Das West-Nil-Virus wird durch die in Deutschland weitverbreiteten Stechmücken der Gattung Culex übertragen und verursacht bei etwa 20 Prozent der infizierten Menschen Symptome, hauptsächlich Fieber oder Hautausschlag. Nur etwa ein Prozent der Infektionen führen zu schweren Erkrankungen, bei denen das Nervensystem betroffen ist. Es handle sich um eine ernst zu nehmende Infektion, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit Ende Oktober in einem Interview mit dem SPIEGEL. "Das Virus wird uns die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen."

"Erfahrungen mit dem West-Nil-Virus in südeuropäischen Ländern lassen vermuten, dass es sich in Deutschland etablieren und wahrscheinlich weiter ausbreiten wird", heißt es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin des RKI . Vor allem längere Sommer mit hohen Temperaturen könnten demnach zu einer verlängerten Saison und einer weiteren räumlichen Ausbreitung beitragen. Als ein mögliches Risikogebiet nannten die Experten die wärmebegünstigte Region am Oberrhein, wo seit Jahren Mückenplagen bekämpft werden.

Mückenschutz als einziges Mittel

Das West-Nil-Virus kommt in verschiedenen Regionen der Welt vor, unter anderem verursachte es schon große Ausbrüche in Nordamerika, aber auch in Süd- und Südosteuropa, und wurde von dort nach Deutschland eingeschleppt. Außer Menschen können auch Säugetiere (vor allem Pferde) und Vögel durch Mückenstiche mit dem Virus infiziert werden. Im vergangenen Jahr wurden 51 Fälle bei Vögeln und 32 bei Pferden bekannt. 2018 waren es erst zehn Fälle bei Vögeln und zwei bei Pferden.

Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen kann man nur durch Mückenschutz vorbeugen.

kry/AFP