Tropenkrankheit Zehn Fälle von West-Nil-Fieber in Deutschland diagnostiziert

In ostdeutschen Bundesländern haben sich im August zehn Menschen mit dem West-Nil-Fieber infiziert. Drei von ihnen sind im Krankenhaus.
Mücken können das West-Nil-Fieber übertragen

Mücken können das West-Nil-Fieber übertragen

Foto: A. Hartl / imago images/blickwinkel

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat vier in Deutschland erworbene Infektionen mit dem West-Nil-Fieber gemeldet, sechs weitere Fälle wurden in Leipzig bestätigt. Drei der Betroffenen in Leipzig seien schwer erkrankt und lägen mit einer Gehirnhautentzündung im Krankenhaus, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Drei weitere zeigten mildere Symptome wie Fieber oder Hautausschlag und vier seien im Rahmen einer Blut- oder Plasmaspende getestet worden. Weiterhin gebe es mehr als ein Dutzend Verdachtsfälle, die aktuell geprüft würden.

Im vergangenen Jahr wurden die ersten Übertragungen innerhalb Deutschlands gemeldet. Im Juni gab das Robert Koch-Institut (RKI) bekannt, dass es mit einer weiteren Ausbreitung des West-Nil-Fiebers in Deutschland rechne. Bisher sind die Fälle nur im Osten (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin) aufgetreten.

"Hotspots sind derzeit definitiv Leipzig und Berlin", sagte Schmidt-Chanasit dem SPIEGEL. "Wir können aber auch eine Bewegung Richtung Südwesten beobachten, wo schon einige Fälle bei Tieren aufgetreten sind." Infizierte Tiere seien meist die ersten Indikatoren, dass das Virus in einer Region vorkomme und sich auch Menschen anstecken könnten. Mitte Juli waren die ersten Infektionen mit West-Nil-Fieber bei Vögeln in diesem Jahr gemeldet worden. In Berlin wurde das Virus bei einer toten Blaumeise nachgewiesen. Im Bergzoo Halle (Sachsen-Anhalt) ist eine Alpendohle an der Infektion verstorben, in Bernburg (Sachsen-Anhalt) ein Uhu und im Erfurter Zoopark (Thüringen) eine Schneeeule.

"Wir befürchten, dass das Virus sich Richtung Süddeutschland oder Ruhrpott ausbreiten könnte", sagte Schmidt-Chanasit. Dort sei die Bevölkerungsdichte hoch und die Temperaturen seien vorteilhaft für Stechmücken. Aktuell könne man das aber noch nicht genau sagen.

Das West-Nil-Virus wird durch die in Deutschland weitverbreiteten Stechmücken der Gattung Culex übertragen und verursacht bei etwa 20 Prozent der infizierten Menschen Symptome, hauptsächlich Fieber oder Hautausschlag. Nur etwa ein Prozent der Infektionen führt zu schweren Erkrankungen, bei denen das Nervensystem betroffen ist. "Da nur etwa ein Prozent eine schwere Erkrankung entwickelt, müssen wir von einer hohen Dunkelziffer ausgehen", so Schmidt-Chanasit. "Wahrscheinlich gibt es in Wahrheit Hunderte Infizierte."

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) rät nun in den betroffenen Regionen zu sorgfältigem Mückenschutz. West-Nil-Fieber tritt vorwiegend in den Tropen und Subtropen auf. Seit einigen Jahren breitet es sich aber auch in Nordamerika und Südosteuropa aus. "Im Jahr 2018 wurden die ersten lokal erworbenen Infektionen in Deutschland bei Vögeln und Pferden registriert, im Spätsommer des vergangenen Jahres sind in Ostdeutschland erstmals fünf Menschen erkrankt", sagt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM, einer Pressemitteilung zufolge. Für den kommenden Herbst müsse man mit weiteren Infektionen rechnen. "Deutlich stärker betroffen sind jedoch aktuell Spanien, Italien und vor allem auch Griechenland."

Da es in Europa seit den Sechszigerjahren immer wieder zu sporadischen Ausbrüchen kommt, wird diskutiert, dass Zugvögel im Frühjahr das West-Nil-Virus aus den tropischen und subtropischen Endemiegebieten einschleppen und dann in Europa auf Mücken übertragen. Unter bestimmten Witterungsbedingungen können diese infizierten Mücken dann auch Menschen mit dem Virus anstecken.

Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen kann man nur durch Mückenschutz vorbeugen. Repellents, die den Wirkstoff DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid) in einer Konzentration von 30 bis 50 Prozent enthalten, gelten laut CRM derzeit als das effektivste verfügbare Mittel.

kry
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