WHO-Bericht Coronapandemie beeinträchtigt Kampf gegen Tuberkulose stark

Tuberkulose war 2020 die tödlichste Infektionskrankheit nach Covid-19: Rund 1,5 Millionen Menschen sind an ihr gestorben. Besonders betroffen sind Indien, China und Südostasien.
In einem südafrikanischen Labor wird mit dem Tuberkulose-Impfstoff gearbeitet

In einem südafrikanischen Labor wird mit dem Tuberkulose-Impfstoff gearbeitet

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Mike Hutchings / REUTERS

Die Coronavirus-Pandemie hat den Kampf gegen Tuberkulose nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Jahre zurückgeworfen. Von knapp zehn Millionen Menschen, die nach Schätzungen im vergangenen Jahr an Tuberkulose (TB) erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen Fälle diagnostiziert, berichtete die WHO am Donnerstag  in ihrem Tuberkulose-Report. Im Jahr davor waren es noch 7,1 Millionen. Der Rückgang ist unter anderem auf Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen zurückzuführen sowie auf die Überlastung von Gesundheitsdiensten.

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen, etwa den Husten von Infizierten, übertragen wird. Sie befällt vor allem die Lunge. Die Krankheit kann auch erst Jahre nach einer Infektion ausbrechen. In den meisten Fällen tragen die Infizierten den Erreger in sich, ohne Symptome zu verspüren. Anzeichen sind Husten, der im Verlauf der Krankheit auch blutig sein kann, Müdigkeit und Fieber.

Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind betroffen. Mit einer mehrmonatigen Antibiotikabehandlung kann die Tuberkulose, die früher auch »Schwindsucht« genannt wurde, weil die Kranken immer schwächer werden, geheilt werden. Allerdings entwickeln die Erreger immer mehr Resistenzen gegen die Mittel. Ohne Behandlung stirbt fast die Hälfte der Infizierten.

Weniger Ausgaben für Diagnose, Behandlung und Prävention

2020 war Tuberkulose nach Covid-19 die zweithäufigste Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Es starben gut 1,5 Millionen Menschen daran, im Jahr davor waren es 1,4 Millionen. Der über Jahre geschaffte Trend eines Rückgangs von Neuansteckungen wurde fast gestoppt. Die Zahlen für 2021 und 2022 dürften deshalb noch schlechter sein, so die WHO.

Die Ausgaben für Diagnose, Behandlung und Prävention gingen 2020 von 5,8 auf 5,3 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) zurück. Das ist weniger als halb so viel, wie nach WHO-Angaben nötig wäre.

Die WHO-Mitgliedsländer hatten vor sechs Jahren beschlossen, die Tuberkulose-Epidemie bis 2030 maßgeblich einzudämmen. Verglichen mit 2015 sollte die Zahl neuer Fälle pro 100.000 Menschen um 80 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent sinken. Die Zwischenziele für 2020 wurden deutlich verfehlt. Die Inzidenz ging bis dahin nur um elf Prozent zurück statt wie angepeilt um 20 Prozent. Bei den Todesfällen lag der Rückgang bei 9,2 statt bei 35 Prozent.

Die besten Ergebnisse verzeichnete die WHO-Region Europa, wo die Inzidenz sogar um 25 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 26 Prozent zurückging, vor allem wegen Fortschritten in Russland. Gut ein Viertel aller Tuberkulose-Infizierten lebt in Indien, 8,5 Prozent in China und 8,4 Prozent in Indonesien, gefolgt von den Philippinen, Pakistan und Nigeria.

Gegen Tuberkulose gibt es einen Impfstoff. Die sogenannte BCG-Impfung basiert auf abgeschwächten Mycobakterien, die unter die Haut gespritzt werden. Der Impfschutz gilt als nicht sehr zuverlässig, allerdings profitieren Menschen in Risikogebieten von der Impfung. In Deutschland wird eine Impfung aufgrund des geringen Vorkommens von Tuberkulose und der relativ unangenehmen Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen.

mar/dpa
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