Tropenkrankheit WHO empfiehlt erstmals Malaria-Impfstoff

Malaria ist die häufigste Todesursache von Kleinkindern in Afrika – jetzt empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation erstmals einen Impfstoff. Er könnte jährlich Zehntausende Leben retten, hofft der WHO-Chef.
Ein Kind wird in Lome, Togo, geimpft (Archivbild)

Ein Kind wird in Lome, Togo, geimpft (Archivbild)

Foto: BSIP / UIG /Getty Images

Jedes Jahr sterben in Afrika mehr als 260.000 Kinder unter fünf Jahren an Malaria, es ist die häufigste Todesursache von Kindern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Insgesamt sterben jährlich etwa 400.000 Menschen an Malaria.

Jetzt empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals einen Impfstoff gegen die gefährliche Krankheit, nachdem sich dieser in Studien und einem Pilotprogramm in den Ländern Ghana, Kenia und Malawi beweisen konnte. Hunderttausende Kinder in den drei Staaten wurden vor ihrem zweiten Geburtstag bis zu viermal geimpft.

»Historischer Moment«

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete das als »historischen Moment«. »Den Impfstoff zusätzlich zu bereits getroffenen Malaria-Schutzmaßnahmen einzusetzen, könnte jedes Jahr Zehntausende junge Leben retten.«

Zwei internationale Gremien der WHO, das fürs Impfen und das für Malaria, haben den Einsatz des Impfstoffs »RTS,S/AS01«, auch »Mosquirix« genannt, empfohlen. Kinder, die in Regionen mit moderater bis hoher Malaria-Verbreitung leben, sollten demnach insgesamt viermal mit dem Mittel geimpft werden, und zwar ab einem Alter von fünf Monaten. Die Impfung richtet sich gegen Plasmodium falciparum, den gefährlichsten Malaria-Erreger.

Die Impfung hat allerdings eine vergleichsweise niedrige Wirksamkeit. Laut der Phase-3-Studie, die von 2009 bis 2014 lief, verhinderte sie etwa vier von zehn Malaria-Fällen und drei von zehn schweren Fällen innerhalb von vier Jahren, so die WHO . 2017 sagte die Forscherin Mary Hamel, die an den Arbeiten zu dem Impfstoff beteiligt war, dass dessen Auswirkungen angesichts der großen Zahl von Menschen, die an Malaria erkranken, enorm sein würden. »Es wird andere Impfstoffe geben, und sie werden effektiver sein, aber in der Zwischenzeit wird dieser einen bedeutenden Einfluss haben.«

Malaria wird durch verschiedene Plasmodium-Parasiten ausgelöst, die durch infizierte Mücken auf Menschen übertragen werden. Infizierte bekommen oft Fieber und Schüttelfrost und leiden an Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen und starker Müdigkeit. Bei schweren Verläufen kommen unter anderem Atemnot, Krämpfe und Blutungen hinzu, die meisten schwer betroffenen Menschen sterben ohne ärztliche Behandlung.

Moskitonetze weiterhin wichtig

Vor rund 20 Jahren wurde der Schutz vor Mückenstichen in Malaria-Gebieten intensiviert, unter anderem durch den Einsatz von Moskitonetzen für die Nacht, die mit Insektiziden behandelt sind. Dadurch gingen die Infektionszahlen zurück. Seit ein paar Jahren stagnierten sie aber.

Den Impfstoff entwickelte das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. Unterstützt wurde das Unternehmen von der Malaria-Impfstoff-Initiative der gemeinnützigen Organisation Path, die auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Geld erhält. Auch die Gates-Stiftung hat die Entwicklung des Mittels finanziell gefördert.

wbr/dpa

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