WHO Luftverschmutzung offiziell als Krebsursache eingestuft

Luftverschmutzung ist nicht nur lästig - sie ist auch extrem gefährlich. Die Weltgesundheitsorganisation hat das Problem nun als eine der wichtigsten Ursachen für Krebskrankheiten eingestuft.
Smog in Singapur (im Juni 2013): Vielfältige Gesundheitsprobleme durch verpestete Luft

Smog in Singapur (im Juni 2013): Vielfältige Gesundheitsprobleme durch verpestete Luft

Foto: TIM CHONG/ REUTERS

Lyon - Die Luftverschmutzung sei "nicht nur eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit des Menschen generell, sondern auch eine der wichtigsten Ursachen für Krebs-Todesfälle", sagt Kurt Straif von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die bei der Weltgesundheitsorganisation angesiedelt ist. Eine Expertengruppe  habe "ausreichende Beweise" dafür gefunden, dass die verpestete Luft Lungenkrebs verursache und das Risiko für Blasenkrebs erhöhe.

Laut IARC geht aus den jüngsten Datenerhebungen hervor, dass im Jahr 2010 mehr als 220.000 Lungenkrebstote weltweit auf die Verschmutzung der Luft zurückzuführen sind. Als maßgebliche Faktoren für verpestete Luft machte die Agentur Verkehr, Stromproduktion, die Emissionen von Industrie und Landwirtschaft sowie das Heizen und Kochen im Haushalt aus. Bereits bekannt war, dass die Luftverschmutzung das Risiko für Atemwegs- und Herzerkrankungen steigert.

Erst in dieser Woche hatte die EU-Umweltagentur EUA gewarnt, dass rund 90 Prozent aller Stadtbewohner in der Europäischen Union einer Luftverschmutzung ausgesetzt sind, die von der WHO als gesundheitsgefährdend eingestuft werde. "Ein Großteil unserer Bevölkerung lebt nach heutigem Standard nicht in einer gesunden Umwelt", so das Fazit von EUA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx.

Die Behörde hatte in ihrem Bericht zur Luftqualität in Europa auch die Hauptverdächtigen für die Probleme benannt: Feinstaubpartikeln, deren Durchmesser unter zehn Mikrometern (PM10) oder sogar unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) liegt. Der Feinstaub kann zu Atemwegserkrankungen führen, die kleinen PM-2,5-Partikel können sogar bis tief in die Lunge eingeatmet werden und Krebs auslösen. Sie entstehen etwa auf Baustellen oder bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Nach einem WHO-Bericht ist die Luftverschmutzung in Europa besonders hoch in Ländern wie der Türkei, Bosnien und Herzegowina und Bulgarien, am niedrigsten in Island. Deutschland liegt zwar im Mittelfeld, aber dennoch deutlich über der WHO-Richtlinie. "Luftverschmutzung verkürzt das Leben im Durchschnitt um acht Monate - und um mehr als zwei Jahre in den am stärksten verschmutzten Städten", so die Warnung WHO.

chs/AFP
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