WHO-Untersuchung zu Pandemieursprung China und USA streiten um Daten zu ersten Corona-Fällen

Um die WHO-Mission in Wuhan ist ein weltweiter Streit entbrannt. Hält China wichtige Informationen zum Ursprung des Coronavirus zurück – oder haben Medien Zitate von Forschern falsch wiedergegeben?
Geschlossener Markt in Wuhan, China, im Januar 2020

Geschlossener Markt in Wuhan, China, im Januar 2020

Foto: NOEL CELIS / AFP

Ein internationales Forscherteam sollte in China den Ursprung der Corona-Pandemie untersuchen. Nach Ende der Reise gibt es nun Diskussionen, ob China den Wissenschaftlern wichtige Daten vorenthalten hat. Nach entsprechenden Vorwürfen aus den USA hat China am Sonntag wiederum den Amerikanern vorgeworfen, die internationale Kooperation im Kampf gegen die Pandemie schwerbeschädigt zu haben. Mehr Klarheit könnte in dieser Woche ein erster offizieller Bericht der beteiligten Forscher bringen.

Eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation war im Januar für vier Wochen nach China gereist, um zu klären, wie das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 entstanden ist. In der vergangenen Woche hatten die Forscher China wieder verlassen . Diverse Medien, darunter das »Wall Street Journal« und die »New York Times«, hatten in der Folge berichtet , dass die Chinesen wichtige Rohdaten nicht übergeben hätten.

»Hartnäckig nachgefragt«

Ähnlich äußerte sich auch Dominic Dwyer, ein australischer Experte für Infektionskrankheiten, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach ging es um Rohdaten zu Patienten aus der ersten Corona-Ausbruchphase in der chinesischen Stadt Wuhan im Dezember 2019. Es handelt sich offenbar um Patienten, die Symptome einer Corona-Erkrankung zeigten, bei denen jedoch unklar ist, ob sie tatsächlich an Covid-19 erkrankt waren oder an einer anderen Krankheit. Entsprechende Rohdaten gehörten zum Standard bei Untersuchungen von Ausbrüchen, sagte Dwyer.

Offenbar hatte etwa die Hälfte der Patienten Kontakt zum Wuhan-Fischmarkt, der als ein möglicher Ort der Übertragung auf den Menschen gilt. »Deswegen haben wir so hartnäckig nachgefragt«, sagte Dwyer. »Warum es nicht passiert ist, kann ich nicht kommentieren.« Ob es politische oder zeitliche Gründe gegeben habe, ob es schwierig sei, man könne nur spekulieren.

Am Samstag hatte der nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, China in einer Stellungnahme scharf kritisiert. Es sei entscheidend, dass der WHO-Bericht unabhängig sei, »frei von Eingriffen oder Veränderungen der chinesischen Regierung«, sagte Sullivan. China müsse seine Daten zu den ersten Tagen des Ausbruchs verfügbar machen.

»Umfassenden Zugang bekommen«

Am selben Tag hatten sich wiederum mehrere Mitglieder der WHO-Delegation zu Wort gemeldet – und China in Schutz genommen. Er sei in China auf Vertrauen und Offenheit gestoßen, schrieb etwa der Zoologe Peter Daszak auf Twitter. »Wir haben umfassenden Zugang zu kritischen, neuen Daten bekommen«, so Daszak.

Auch seine Kollegin, die dänische Epidemiologin Thea Fischer, sprach von einer guten Beziehung. Zitate von Forschern seien in Medien absichtlich verdreht worden, um einen Schatten auf die wichtige wissenschaftliche Arbeit zu werfen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

China selbst attackierte am Sonntag die USA direkt. Die Amerikaner hätten in den vergangenen Jahren multilaterale Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation untergraben und der internationalen Kooperation in der Covid-19-Pandemie schwer geschadet, teilte die chinesische Botschaft in Washington mit. Nichtsdestotrotz zeigten die USA mit dem Finger auf Länder, die die WHO stets unterstützt hätten.

Tatsächlich hatten die USA unter Präsident Donald Trump angekündigt, die WHO zu verlassen und keinerlei Geld mehr zur Verfügung zu stellen. China hatte daraufhin seinen Beitrag zum WHO-Budget erhöht. Der neue US-Präsident Joe Biden unterzeichnete wiederum direkt nach Amtsantritt eine Anordnung, den WHO-Austritt der USA zu stoppen.

Doch auch für Peking ist die WHO-Mission heikel. Einerseits will auch sie die nächste Pandemie abwenden, hat also ein Interesse an den Erkenntnissen der WHO. Zudem hat sich die chinesische Führung offiziell stets für eine Aufarbeitung der Ereignisse in Wuhan ausgesprochen.

Andererseits dürfte den Machthabern bewusst sein, dass ihre Beamten gerade in der Anfangsphase der Pandemie Fehler gemacht und diese vertuscht haben. Davon jedoch ist im Land heute keine Rede mehr, Peking hat sich selbst ein makelloses Zeugnis im Kampf gegen Covid-19 ausgestellt.

sep/AP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.