Coronavirus WHO ruft internationalen Gesundheitsnotstand aus

212 Menschen sind bislang nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gestorben, weltweit erkranken immer mehr. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge ist die Lage ernst.
Eine Frau mit Atemschutzmaske betet während einer Messe. Die Zahl der Infektionen und Todesopfer durch die Lungenkrankheit aus China ist weltweit erneut gestiegen.

Eine Frau mit Atemschutzmaske betet während einer Messe. Die Zahl der Infektionen und Todesopfer durch die Lungenkrankheit aus China ist weltweit erneut gestiegen.

Foto: Aaron Favila/ dpa

Angesichts der weltweit fortschreitenden Verbreitung des Coronavirus hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das teilte die WHO nach einem Treffen ihres zuständigen Expertenkomitees mit. Die Entscheidung ist demnach "fast einstimmig" gefallen.

Grund seien nicht die Fälle in China, sagte WHO-Präsident Tedros Adhanom Ghebreyesus. Vielmehr gehe es um die Ausbreitung des Virus in anderen Ländern. "Wir haben viele Fälle außerhalb von China gesehen", sagte er.

Der WHO-Präsident lobte China für den Umgang mit dem Ausbruch der Lungenkrankheit. Das Land habe diesbezüglich einen "neuen Standard gesetzt", sagte er. Die größte Sorge sei nun, dass sich das Virus in Länder mit weniger gut ausgestattetem Gesundheitssystem ausbreiten könne. Man wisse nicht, welchen Schaden es dort anrichten könne.

Bislang sind nach Angaben der chinesischen Nationalen Gesundheitsbehörde vom späten Donnerstagabend in China 212 Menschen gestorben, nachdem sie sich mit der Lungenkrankheit angesteckt hatten. In China sind inzwischen Infektionen in allen Regionen und Provinzen des Festlands nachgewiesen. Weltweit sind in rund 20 Ländern mehr als 8100 Menschen erkrankt, die meisten davon in der chinesischen Provinz Hubei. Die ersten Fälle waren Ende Dezember in der zentralchinesischen Stadt Wuhan aufgetreten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Entscheidung im Überblick:

Was bedeutet ein internationaler Gesundheitsnotstand?

Ziel des internationalen Gesundheitsnotstands ist es, die Verbreitung eines Erregers über Grenzen hinweg einzudämmen. Um das zu erreichen, empfiehlt die WHO mit dem Ausruf des Notstands verschiedene Maßnahmen. Von den mehr als hundert WHO-Mitgliedstaaten wird zwar erwartet, dass sie diesen Empfehlungen folgen. Sie sind dazu aber nicht verpflichtet.

Ein weiteres Ziel ist, die Maßnahmen der einzelnen Länder aufeinander abzustimmen, damit sie koordiniert ablaufen. Viele Länder und Unternehmen haben schon jetzt Schritte eingeleitet, um den Erreger zu stoppen. Die USA etwa erklärten am Donnerstag, dass eine neue Taskforce das Virus beobachte. Viele Airlines stellten den Flugbetrieb nach China ein. Manche Staaten haben sogar die Visa-Vergabe für chinesische Bürger gestoppt.

Die WHO empfiehlt nun unter anderem, dass Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen unterstützt werden sollen. Zudem soll die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, Wissen und Daten geteilt und gegen Gerüchte vorgegangen werden. Gleichzeitig empfiehlt die WHO aber keine Handels- und Reisebeschränkungen - auch nicht mit und nach China.

In der vergangenen Woche wurde der internationale Gesundheitsnotstand nicht ausgerufen, jetzt doch. Was hat sich in der Zeit geändert?

Ein Expertenkomitee hatte vergangene Woche bereits zwei Mal stundenlang darüber diskutiert, ob der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen werden sollte. Am Ende entschied sich die Weltgesundheitsorganisation dagegen. Grund war zu diesem Zeitpunkt vor allem, dass der Ausbruch zwar eine Bedrohung für China darstellte, im Ausland aber nur vereinzelt China-Reisende erkrankt waren. Das hat sich unter anderem durch die Fälle in Deutschland geändert.

In München liegen aktuell fünf Infizierte isoliert im Krankenhaus, die sich nicht in China, sondern in Bayern angesteckt haben. Ausgangspunkt ihrer Infektionen war eine Kollegin, die für ein Seminar aus China eingeflogen war. Auch in anderen Ländern dokumentierten Behörden inzwischen Coronafälle, bei denen sich die Menschen nicht in China, sondern vor Ort durch den Kontakt mit China-Reisenden infiziert hatten. 

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Hinzu kommt eine zweite Herausforderung, die erst seit dem Wochenende bekannt ist und sich an den Fällen aus Deutschland verdeutlichen lässt: Das Virus kann von Menschen weitergegeben werden, die zwar infiziert sind, aber noch keine Beschwerden haben. Die chinesische Mitarbeiterin fühlte sich bei ihrer Einreise in Deutschland noch gesund. Erst während ihrer Rückreise nach China entwickelte sie so starke Beschwerden, dass sie einen Arzt aufsuchte.

Noch gibt es keinen Impfstoff und kein Medikament, das vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützt. Der Ausbruch lässt sich in diesem Fall nur eindämmen, wenn Infizierte schnell gefunden und isoliert werden, sodass sie niemanden anstecken. Das wird deutlich schwieriger, wenn sie das Virus bereits übertragen, bevor sie ihre Erkrankung bemerken.

Wie oft wurde der internationale Gesundheitsnotstand in der Vergangenheit ausgerufen?

 Die Weltgesundheitsorganisation hat sich seit 2005 erst fünf Mal zu diesem Schritt entschieden:

  • 2019, als das Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte

  • 2016, als sich das Zika-Virus in Amerika ausbreitete

  • 2014 bei der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika

  • 2014 aufgrund einer internationalen Verbreitung des wilden Poliovirus

  • 2009 bei der Pandemie das Grippevirus H1N1, besser bekannt als Schweinegrippe

kko/irb/vks/dpa