Leserfrage Wie leiste ich in Zeiten von Covid-19 Erste Hilfe?

Wer an einer Unfallstelle keine Erste Hilfe leistet, macht sich strafbar. Aber wie helfe ich, ohne mich oder andere mit dem Coronavirus zu infizieren, fragt eine Leserin.
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Leserin Christine Mander fragt: Dass man Erste Hilfe leisten muss, steht für mich außer Frage. Aber wie verhalte ich mich im Erste-Hilfe-Fall in Zeiten von Corona richtig?

Die Antwort von Katherine Rydlink aus dem Gesundheitsressort des SPIEGEL: Sie haben vollkommen recht, auch die Corona-Pandemie ändert nichts daran, dass alle im Straßenverkehr dazu verpflichtet sind, bei einem Unfall Erste Hilfe zu leisten. Bei Unterlassung drohen Strafen.

Die Corona-Situation erfordert, dass Sie dabei darauf achten, sich und das Opfer nicht unnötig einer Infektionsgefahr auszusetzen. Die ersten, wichtigen Schritte bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten bleiben zunächst gleich:

  • Anhalten und nach der Absicherung der Unfallstelle Polizei und Rettungswagen verständigen.

  • Schildern Sie dabei am Telefon möglichst ruhig die Situation.

Selbst in Gefahr bringen muss sich bei den Hilfeleistungen niemand. Jedoch ist es unter den aktuellen Corona-Bedingungen nicht so einfach, abzuwägen, was gefährlich sein könnte. Die Corona-Maßnahmen besagen ja eigentlich: Mindestens 1,5 Meter Abstand halten, damit man das Risiko für eine Tröpfcheninfektion so gering wie möglich hält. Bei Schwerverletzten ist das oft nicht möglich. "Es gilt generell die individuelle Abwägung, ob die Hilfeleistung zumutbar ist", sagt Matthias Siegert-Paar, Rechtsanwalt beim Auto Club Europa (ACE) laut der Deutschen Presse-Agentur.

"Kommt ein kerngesunder 25-Jähriger zu einem verunfallten Jugendlichen, kann beispielsweise Mund-zu-Mund-Beatmung zumutbar sein", sagt er. "Ist der Helfende ein Mann Ende 70 mit multiplen Vorerkrankungen, sieht das unter Umständen anders aus." Jeder Person sei es unabhängig vom Alter auf jeden Fall zuzumuten, etwa mit dem Handy den Rettungsdienst zu informieren.

Beim direkten Kontakt ist es wichtig, dass Helfer sich und das Opfer so gut wie möglich schützen. Dazu eignen sich Einmalhandschuhe und nach Möglichkeit Mund- und Nasenschutz. Das gründliche Waschen oder Desinfizieren der Hände nach der Hilfe sollte folgen. "Informieren Sie die Rettungskräfte möglichst genau über die geleisteten Maßnahmen", sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa. "Sofern notwendig, begibt man sich selbst in ärztliche Obhut, um abzuklären, ob man sich mit dem Virus angesteckt haben könnte."

kry/dpa
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