X-Chromosom Gen kann Aids bei Frauen verzögern

Forscher haben bei Frauen eine Genvariante aufgespürt, die den Verlauf einer Aids-Erkrankung verzögert. Bei HIV-positiven Männern hat das veränderte Gen allerdings keine hilfreiche Wirkung.


Bei manchen HIV-infizierten Frauen bricht die Immunschwächekrankheit Aids viel später aus als bei anderen. Ein internationales Forscherteam um Michael Krawczak vom Zentrum für molekulare Biowissenschaften der Universität Kielhat nun herausgefunden, dass dies auch genetische Ursachen hat. Eine Genvariante auf dem X-Geschlechtschromosom verlangsamt demnach den Krankheitsverlauf - die Immunzellen gehen in diesem Fall langsamer zugrunde als bei Frauen ohne die hilfreiche Genvariante.

Bei einigen HIV-Infizierten kann es nach der Ansteckung mehr als zehn Jahre dauern, bis eine medikamentöse Behandlung nötig wird, rund die Hälfte braucht aber spätestens nach zwei Jahren Medikamente.

Patientinnen mit der nun gefundenen Gen-Variante auf einem ihrer zwei X-Chromosomen bleibt vier Mal mehr Zeit - durchschnittlich acht Jahre, wie die Forscher im "American Journal of Human Genetics" berichten. Sie spürten das Gen auf, als sie Makaken-Affen untersuchten, die mit dem SI-Virus infiziert waren und dennoch keinerlei Aids-Symptome entwickelten.

Auch Männer haben ein X-Chromosom, allerdings nur in einfacher Ausfertigung. Erstaunlicherweise zeigte sich bei Männern mit der Gen-Variante auf ihrem X-Chromosom kein verlangsamter Verlauf der Aids-Erkrankung. Krawczak und seine Kollegen vermuten daher einen geschlechtsabhängigen Mechanismus. Frauen mit zweifacher Ausfertigung des Gens haben sie allerdings nicht untersucht.

Die Genvariante ist weltweit offenbar sehr ungleich verteilt: Anhand der Analysen folgern die Forscher, dass es in Afrika recht selten ist, auch in Europa trügen nur etwa 15 Prozent der Frauen die vorteilhafte Variante. In Asien hingegen komme sie bei bei jeder zweiten Frau vor.

Die Ergebnisse könnten helfen, Prognosen über den Krankheitsverlauf bei Aids-Patientinnen zu treffen. Außerdem könne die entdeckte Gen-Variante langfristig bei der Suche nach einem Medikament gegen Aids von Nutzen sein, sagte Krawczak. Nach wie vor seien aber etwa 85 Prozent der genetischen Faktoren, die den Aids-Verlauf beeinflussen, ungeklärt.

lub/dpa



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