Xenotransplantation Patient stirbt zwei Monate nach erster Schweineherz-Transplantation

Anfang Januar hatten Ärzte an einem Uniklinikum in den USA einem 57-jährigen Mann ein Schweineherz eingesetzt. Doch in den vergangenen Tagen verschlechterte sich sein Zustand. Nun ist der Patient gestorben.
Die OP galt als Meilenstein der Medizin: Die Transplantation eines Schweineherzens

Die OP galt als Meilenstein der Medizin: Die Transplantation eines Schweineherzens

Foto: University of Maryland School of Medicine (UMSOM) / EPA

Er war der erste Mensch der Welt, dem erfolgreich ein Schweineherz eingesetzt worden war. Nun ist der 57-jährige Patient aus den USA gestorben. Das teilte die Klinik an der University of Maryland in der Nähe der US-Hauptstadt Washington, D.C. mit.

Der Todesfall habe sich am Dienstag ereignet. In den Tagen zuvor hatte sich der gesundheitliche Zustand des Mannes den Angaben des Krankenhauses zufolge immer weiter verschlechtert. Einem Bericht der »New York Times«  nach sagte eine Krankenhaussprecherin, zum Zeitpunkt des Todes habe keine offensichtliche Ursache festgestellt werden können. Der Fall würde weiter untersucht werden. Das Krankenhauspersonal sei jedoch »am Boden zerstört«, hieß es in dem Bericht weiter.

Die Operation, die die Ärztinnen und Ärzte am 7. Januar durchgeführt hatten, galt als Meilenstein auf dem Gebiet der Organtransplantation. In der achtstündigen Prozedur hatten die Fachleute dem Mann das genetisch veränderte Organ eines Schweines eingesetzt. Die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen nennt man Xenotransplantation.

Nach der Operation war der Patient noch einige Tage an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen gewesen, danach war sein Zustand den Ärzten zufolge zunächst relativ stabil.

Die Transplantation galt als medizinische Meisterleistung

Als größte Gefahr galt, dass der Körper des Mannes das Organ abstoßen würde. Um das zu verhindern, mussten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Erbgut der Spendertiere genetisch verändern – mit zehn Modifikationen. So versuchten sie, die verschiedenen Mechanismen des menschlichen Körpers, die zu einer Abstoßung führen könnten, zu umgehen oder auszuhebeln. Dabei ging es zum Beispiel um bestimmte Zuckerstrukturen auf der Oberfläche von Schweinezellen, gegen die der Mensch von Natur aus Antikörper hat. Dass das gelang, wurde als medizinische Meisterleistung bewertet.

Nach einem Monat Überlebenszeit hatten die medizinischen Fachleute von einem großen Erfolg gesprochen. Anfang Februar hatte das Klinikum mitgeteilt, dass es bei dem Patienten keine Zeichen der Abstoßung gebe. Er sei wach und ansprechbar gewesen.

Der Mann hatte an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit gelitten. Für ein menschliches Spenderherz war er als nicht geeignet eingestuft worden. Vor dem Eingriff hatte er dem Krankenhaus zufolge gesagt: »Ich weiß, es ist ein Schuss ins Blaue, aber es ist meine letzte Chance.« Er starb im Krankenhaus.

Erforscht werden die Möglichkeiten der Xenotransplantation seit den Achtzigerjahren. In einem spektakulären Fall war einem nicht lebensfähigen neugeborenen Mädchen 1984 in Kalifornien ein Pavianherz eingesetzt worden. Es starb drei Wochen nach der Operation.

Schweine sind als Organspender besonders geeignet, weil sie sich gut züchten lassen und weil ihr Stoffwechsel dem der Menschen ähnelt. Und schon jetzt werden Herzklappen von Schweinen und Schweinehaut bei Verbrennungsopfern transplantiert. Es gibt zu wenige menschliche Spenderorgane. Allein in den USA warten derzeit rund 110.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Offiziellen Zahlen zufolge sterben Jahr für Jahr mehr als 6000 Menschen, bevor eine Transplantation vorgenommen werden konnte.

vki/AFP

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