Neue Forschungsergebnisse Zecken breiten sich in neuen Gebieten aus

Auch bei diesen Temperaturen sind Zecken mancherorts schon sehr aktiv – dabei entdecken sie Höhenlagen für sich. In den Tälern wird es den Tieren zu warm.
Zecken fühlen sich zunehmend in Höhenlagen wohl (Archivbild)

Zecken fühlen sich zunehmend in Höhenlagen wohl (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Zecken machen sich in Deutschland in immer mehr Regionen breit – und mit ihnen steigt auch die Gefahr von Erkrankungen wie der Hirnhautentzündung FSME. Zecken-Expertinnen und Experten stellten am Dienstag neue Forschungsergebnisse vor. Demnach werden etwa in Höhenlagen von 500 bis 700 Metern zunehmend FSME-Fälle registriert.

Die Forscher gehen davon aus, dass es den Zecken in den tiefer gelegenen Gebieten zu warm ist. »In Tälern wird es Zecken zu ungemütlich«, sagte Biologe Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Zecken jetzt schon sehr aktiv

Die Zahl der bundesweit registrierten FSME-Erkrankungen ging im vergangenen Jahr deutlich zurück – laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI)  von 712 auf 417. Das sei aber immer noch ein vergleichsweise hoher Wert, sagte Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr unter anderem je nach Witterung und Freizeitverhalten deutlich. Im Rekordjahr 2020 trieb das Coronavirus die Menschen ins Grüne.

Typische Lebensräume für Zecken sind unter anderem lichte Wälder und Waldränder sowie Flächen mit hohem Gras oder Büschen. Das Infektionsrisiko ist besonders in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und dem Südosten Thüringens hoch. Auch wenn dort nach wie vor die meisten Menschen an FSME erkranken, sank die Zahl der FSME-Fälle vor allem in Bayern und Baden-Württemberg im Jahr 2021. In weiter nördlich gelegenen Bundesländern wie Sachsen und Niedersachsen wurde hingegen kein Rückgang verzeichnet. FSME breite sich in Norddeutschland zunehmend aus, sagte Dobler. Es brauche deshalb mehr Forschung und eine Anpassung der Impfstrategie.

Die Tiere seien bereits jetzt schon wieder sehr aktiv, sagte die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim.

Das RKI weist immer mehr FSME-Risikogebiete aus – zuletzt etwa Kreise in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. 175 solcher Risikogebiete gibt es bereits in Deutschland – bundesweit sind mehr als 40 Prozent aller Kreise betroffen.

Die Parasitologin Mackenstedt untersuchte 8000 eingesendete Zeckenfunde. Das Ergebnis: Die sogenannte Auwaldzecke, die ebenfalls FSME übertragen kann, macht sich nun bundesweit breit. Sie sucht im Gegensatz zu ihren seit Jahren etablierten Verwandten schon bei Temperaturen um die vier Grad aktiv nach Wirten, die sie stechen könnte.

Auch Tropenzecken der Gattung Hyalomma tauchen immer wieder auf – sie werden durch Zugvögel in Deutschland eingetragen. Mit zunehmend trockenen, warmen Sommern kann diese Zecke nach Angaben der Forscherinnen und Forscher zu einem Stammgast hierzulande werden. Tropenzecken können gefährliche Krankheitserreger wie das Zecken-Fleckfieber übertragen.

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Eine Infektion verläuft oftmals mild. In der ersten Phase gibt es häufig grippeähnliche Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen. Später kann eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks folgen – es gibt also ein Risiko für schwere Verläufe. Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, können nur die Symptome therapiert werden. Für rund ein Prozent der Patientinnen und Patienten endet die Krankheit tödlich. In Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion nach einem Zeckenstich bei 1 zu 50 bis 1 zu 100.

Gegen FSME gibt es eine Impfung, nicht jedoch gegen die ebenfalls von Zecken übertragene und bundesweit vorkommende Borreliose.

Wie kann man Zecken entfernen?

Der in Deutschland weitverbreitete Gemeine Holzbock krabbelt nicht aktiv auf seine Wirte zu. Er lässt sich auch nicht von Bäumen fallen, wie es zum Teil behauptet wird. Stattdessen sitzt er auf Grashalmen oder in Büschen und wartet darauf, dass ein Wirt vorbeikommt und ihn abstreift.

Das größte Risiko hat, wer in der Natur unterwegs ist und befestigte Wege verlässt. Helle, lange Kleidung kann helfen, die Tiere zu entdecken, bevor sie sich festgesaugt haben. Auch geschlossene Schuhe und eine Hose, die in den Socken steckt, bieten bedingt Schutz. Dasselbe gilt für Sprays, deren Geruch die Tiere abhalten soll. Die Wirkung hält allerdings nur zwei bis vier Stunden an, danach muss erneut gesprüht werden.

Haben Zecken einen Wirt gefunden, krabbeln sie mitunter stundenlang auf seinem Körper umher, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben, um sich festzusaugen. Solange die Tiere noch auf der Suche sind, lassen sie sich beim Duschen abspülen. Haben sie sich erst mal festgesaugt, ist das nicht mehr möglich.

kry/dpa
Mehr lesen über