Tropenkrankheit Arznei-Schlamperei schadet Kampf gegen Malaria

Wenige Medikamente helfen gegen Malaria - umso dramatischer ist es, wenn diese Mittel gefälscht oder in falscher Dosierung auf den Markt kommen. Studien zeigen das Ausmaß der Medikamenten-Schlamperei. Forscher sehen dies als ernste Gefahr im Kampf gegen die Tropenkrankheit.

Impfstoff-Test in Kenia (2010): Milliarden Menschen wohnen in Malaria-Risikogebieten
REUTERS

Impfstoff-Test in Kenia (2010): Milliarden Menschen wohnen in Malaria-Risikogebieten


Gefälschte oder mangelhafte Medikamente gefährden den Erfolg im Kampf gegen die Malaria, befürchten Forscher der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) in den USA. Das Team um Gaurvika Nayyar hat frühere Studien aus Südostasien und Afrika ausgewertet, in denen die Verpackungen von Malaria-Mitteln untersucht oder die Medikamente chemisch analysiert wurden. Das erschreckende Ergebnis: Zwischen 20 und 42 Prozent der getesteten Präparate hatten eine schlechte Qualität oder waren gefälscht. Die Medikamente wurden in öffentlichen Apotheken oder privaten Läden in 28 Ländern eingekauft.

Unter schlechter Qualität verstehen die Forscher in betrügerischer Absicht falsch hergestellte und verpackte Pillen, eine geringe oder zu hohe Menge an Wirkstoffen in den Tabletten sowie Medikamente, die durch falsche Lagerung beeinträchtigt waren.

Wie viele gefälschte oder mangelhafte Malaria-Medikamente wirklich weltweit im Umlauf sind, kann allerdings niemand sagen, schränken die Forscher in ihrem Artikel im Fachjournal "The Lancet Infectious Diseases" ein. Verlässliche Zahlen dazu fehlen.

Falsch dosierte Medikamente können dazu führen, dass die Krankheitserreger unempfindlich gegenüber dem Wirkstoff werden. Zuletzt wurden solche Resistenzen gegen Präparate mit dem Wirkstoff Artemisinin aus der Grenzregion zwischen Thailand und Kambodscha bekannt. Dies alarmiert die Gesundheitsbehörden weltweit, weil Kombinationspräparate mit Artimisinin als besonders wirksame Waffe gegen die vom Parasiten Plasmodium falciparum verursachte Malaria gelten.

Prüfbehörden fehlen

Von 1437 gesammelten Proben aus sieben asiatischen Ländern hielt ein Drittel einer chemischen Qualitätsprüfung nicht stand, knapp die Hälfte war nicht korrekt verpackt und ein Drittel war gefälscht. Analysen aus 21 afrikanischen Ländern südlich der Sahara mit 2634 Proben zeigten: Mehr als ein Drittel bestand die chemischen Tests nicht, etwa 20 Prozent waren gefälscht. Nayyar und Kollegen schränken ein, dass Daten aus wichtigen Malaria-Ländern fehlen und dass es teils Unzulänglichkeiten bei der Auswahl der Proben gab. Beispielsweise waren die Arzneien nicht immer nach einem festen Schema erworben worden.

Die Forscher bemängeln, dass in den betroffenen Ländern Prüfbehörden fehlen und Medikamenten-Fälscher nicht ausreichend verfolgt würden. "Derzeit haben nur drei von 47 Malaria-Ländern in Afrika Labore, die für die chemische Analyse von Malaria-Medikamenten ausgestattet sind", schreiben sie.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2010 etwa 655.000 Menschen an der Tropenkrankheit, die durch Anophelesmücken übertragen wird. Die Sterberate sei seit dem Jahr 2000 weltweit um mehr als ein Viertel gesunken. Dennoch: "3,3 Milliarden Menschen sind von einer Ansteckung mit Malaria bedroht, die in 106 Ländern vorkommt", berichten Nayyar und Kollegen.

wbr/dpa



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