10 Jahre Hubble Methusalem im Weltraum

Das "Auge des Universums" feiert Geburtstag: Seit einem Jahrzehnt schwebt das Weltraumteleskop Hubble im 600 Kilometer hohen Orbit - zunächst gehandicapt durch Fehlkonstruktionen und begleitet von Häme. Inzwischen haben Hubbles Entdeckungen die Astronomie dramatisch verändert.

Von Dörte Tewes


Weltraumteleskop Hubble als Frischling im All, 1991
DPA

Weltraumteleskop Hubble als Frischling im All, 1991

Hamburg - Schon in den vierziger Jahren träumten Astronauten von einem Teleskop, das in einer Erdumlaufbahn kreist. 30 Jahre später entwickelte sich der Traum zu einem gemeinsamen Projekt von Nasa und Esa, der Europäischen Weltraumorganisation. Am 24. April 1990 flog schließlich das Teleskop, benannt nach dem Astronomen Edwin Hubble (1889-1953), an Bord des Raumschiffes "Discovery" ins All.

Fieberhaft erwarteten die Experten im Goddard Space Center die ersten gestochen scharfen Bilder aus dem All. Doch nur allzu bald erreichte sie eine Hiobsbotschaft: Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. Zwar konnten die Unschärfen durch Computerbearbeitung ausgebessert werden. Den ursprünglichen Erwartungen wurden die Aufnahmen jedoch nicht gerecht. Mit Hubble flog ein mehrere Milliarden Dollar teurer Nichtsnutz durch das All.

Reparaturen an Hubble 1999
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Reparaturen an Hubble 1999

Die Nasa musste in der Folge nicht nur die eigene Enttäuschung verwinden, sondern sah sich auch noch dem Spott der Fachwelt ausgeliefert. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnert sich: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein." In Windeseile mussten die Experten des Goddard Centers eine Reparationsmission planen.

Ein Jahr später traf die Nasa eine weitere Panne: Hubble ließ sich nicht mehr zuverlässig auf ein Objekt ausrichten. Der 13 Meter lange Zylinder des Teleskops verfügte über sechs Kreisel, so genante Gyroskope. Zwei waren bereits im ersten Jahr ausgefallen, und ein dritter arbeitete jetzt unzuverlässig. Die Defektserie von Hubble fand ihre jämmerliche Fortsetzung, als wenig später auch noch klar wurde, dass zwei der vier Sonnensegel ersetzt werden müssten. Die Stromversorgung des kränkelnden Sorgenkindes war ernsthaft gefährdet.

Trifid Nebel zeigt einen Stern im Embryonenstadium
AP

Trifid Nebel zeigt einen Stern im Embryonenstadium

1993 startete endlich die erste Endeavour-Mission. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung des Raumschiffes und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel". Die Endeavour-Besatzung war jedoch erfolgreich: Die Nasa-Spezialisten im Goddard Zentrum sahen das Weltall von jetzt an gleich gestochen scharf. Seitdem lieferte das Teleskop die erstaunlichsten Aufnahmen von Gasnebeln, schwarzen Löchern oder Sternen in der Embryonalphase. Die Veröffentlichung dieser Bilder auf der Homepage der Nasa begeisterten Wissenschaftler und Laien gleichermaßen.

1997 flog die Nasa eine zweite Versorgungsmission. Dabei wurden zwei Spektrografen ausgewechselt, um Hubble dem Stand der technischen Entwicklung anzupassen. Auch zahlreiche andere Teile waren veraltet oder defekt und mußten ausgetauscht werden.

1999 unternahm die Weltraumbehörde eine dritte Versorgungsmission mit der Raumfähre Discovery. Ursprünglich war diese Mission erst für den Juli 2000 angesetzt. Nachdem aber auch der vierte Steuerkreisel ausgefallen war, konnte Hubble nicht mehr auf ein Objekt ausgerichtet werden. Während des Reparaturfluges ersetzten die Nasa-Astronauten alle sechs Gyroskope. Wie schon beim zweiten Hubble-Besuch wurde der Weltraumveteran auch im Dezember 1999 generell auf Vordermann gebracht. Seitdem funktioniert sein Orientierungsmechanismus wieder.

Eskimo-Nebel, aufgenommen von Hubble
AP/NASA

Eskimo-Nebel, aufgenommen von Hubble

Vom kränklichen Problemkind hat sich Hubble in seiner zehnjährigen Geschichte dank zahlreicher Nachbesserungen zu einem leistungsfähigen Teleskop gemausert. Seine Aufnahmen haben die Astronomie nachhaltig verändert. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich das "Auge des Universums" in Zukunft hält. Denn für Hubble bedeutet der zehnjährige Geburtstag gerade mal Halbzeit. Nach den Plänen der Nasa soll das Teleskop noch ein weiteres Jahrzehnt die Erde umkreisen.



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