2001 Das "Jahr der Lebenswissenschaften"

Am 1. Februar gibt Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn den Startschuss für das "Jahr der Lebenswissenschaften". Mit zahlreichen Veranstaltungen wollen Ministerium, Stifterverband und Forschungsinstitute Imagepflege für das derzeit wohl umstrittenste Feld der Forschung treiben.

Von Gisela Südbeck


Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn
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Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn

Wissenschaft im stillen Kämmerlein tut vielleicht der Wissenschaft, nicht aber dem Image der Wissenschaft immer gut. Das hat auch das Bundesministerium für Forschung und Bildung längst erkannt. Es hebt deshalb mit dem Stifterverband und den großen Forschungsorganisationen jedes Jahr ein separates Forschungsgebiet im Rahmen eines "Motto-Jahres" hervor.Das Wort "Lebenswissenschaften" begegnet einem zur Zeit zwar nicht jede Woche, sehr wohl aber das, was sich dahinter verbirgt, zum Beispiel die Stammzellforschung. Doch die Palette der Lebenswissenschaften geht weit darüber hinaus: Von der Evolutionsbiologie über die Genforschung bis zur Bionik. Neun Großveranstaltungen in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Leipzig, Göttingen und Köln bieten Gelegenheit, sich über diese Forschungsbereiche zu informieren. Den Auftakt macht der "Gen-Dschungel", mit dem Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn das "Jahr der Lebenswissenschaften" am 1. Februar in Berlin eröffnet. Auf der dreitägigen, öffentlichen Tagung geht es um die Entschlüsselung des menschlichen Genoms und die damit verbundene kontroverse Diskussion in allen gesellschaftlichen Bereichen. Parallel zu den Großveranstaltungen finden über das ganze Jahr und Land verteilt einzelne Satellitenveranstaltungen statt. Ziel ist der Dialog mit der ÖffentlichkeitZahl und Umfang der Workshops, Vorträge und Labor-Rundgänge ist beachtlich. Wer sich unabhängig von den Medien darüber informieren will, was es zum Beispiel mit der Biotechnologie auf sich hat, der hat in diesem Jahr reichlich Gelegenheit dazu. Und genau darauf hoffen die Organisatoren, denn sie wollen einen "intensiven Dialog mit der Öffentlichkeit", wollen den Eindruck vermitteln, Deutschland betreibe "Forschung zum Anfassen".Ein hehrer Anspruch zur rechten Zeit. Der Abschluss der Sequenzierung des menschlichen Erbguts war das wissenschaftliche Medienereignis des vergangenen Jahres. Großbritannien hat gerade das Klonen menschlicher Embryozellen erlaubt. Überall auf der Welt werden Tierklone gezeugt und manchmal auch zur Welt und vor die Fernsehkameras gebracht, Forscher aus den USA haben jetzt verkündet, einen menschlichen Klon schaffen zu wollen. In Deutschland verhindert das Embryonenschutzgesetz Ähnliches. Doch das Schreckgespenst von der allen hinterher hinkenden deutschen Wissenschaft im Nacken warnt Bundeskanzler Schröder bereits vor "ideologischen Scheuklappen und grundsätzlichen Verboten" in der Diskussion um Gentherapien. Für und Wider des Embryonenschutzgesetzes und damit einhergehend Risiken und Chancen des therapeutischen Klonens werden zur Zeit heiß diskutiert. Wer mitdiskutieren will, sollte sich das Programm vom "Jahr der Lebenswissenschaften" genauer ansehen.



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