500.000 Konsumenten Exzessive Ecstasy-Einnahme zerstört das Gehirn

Rund eine Woche vor der Love Parade in Berlin hat das Gesundheitsministerium erneut vor der Partydroge Ecstasy gewarnt. Vor allem Dauerkonsumenten müssten schwere Gehirnschäden fürchten, so eine neue Studie.

Nach Studien sei davon auszugehen, dass allein in Deutschland 500.000 junge Menschen Ecstasy nehmen. Dabei dürfte der Konsum in der Techno-Szene höher sein als unter den Jugendlichen insgesamt, erklärte Christa Nickels, die Drogenbeauftragte der Regierung.

Eine im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellte Studie der Hamburger Universität macht die "Partydroge" Ecstasy für teilweise dramatische Gehirnschäden verantwortlich. Vor allem Dauerkonsumenten haben demnach Gedächtnisstörungen und sonstige messbare Leistungsminderungen des Gehirns zu befürchten. Über ein Viertel der in der Studie getesteten Konsumenten litt an schweren psychischen Störungen wie Halluzinationen, Wahn und Panikattacken. Aufnahmen von Gehirnschichten und die Messungen von Gehirnströmen (EEG) zeigten bei einigen Testpersonen deutlich verringerte Gehirnaktivitäten, so die Hamburger Forscher.

Bei acht Prozent der Konsumenten ließen sich die Phänomene auf Ecstasy zurückführen, bei weiteren acht Prozent auf den Gebrauch von anderen Drogen und bei 14 Prozent auf den Gebrauch mehrerer Substanzen. Dauerkonsumenten der "Partydroge" seien im Vergleich häufiger durch psychotische Störungen beeinträchtigt (49 Prozent) als Gelegenheitskonsumenten (22 Prozent) und Probierkonsumenten (null Prozent).

Die 21-monatige Hamburger Studie mit 107 Ecstasy-Konsumenten ist die bisher größte Untersuchung zu diesem Thema. Bislang wurden nur kleine Gruppen untersucht oder Einzelfall- Beschreibungen zu den Folgen der Einnahme von Ecstasy veröffentlicht.

Auch Drogenbeauftragte Christa Nickels warnte vor Ecstasy-Nebenwirkungen wie Herz-Kreislauf- Störungen, Nieren- und Leberschäden bis zu Angstzuständen und Depressionen. Die in der Studie zitierten toxischen Hirnschäden können nach Ansicht Nickels jedoch nicht auf den Konsum von Ecstasy allein zurückzuführen sein, sondern nur auf ein Gemisch mehrerer Drogen. Hier seien weitere Studien notwendig.

Die Drogenbeauftragte wandte sich aber dagegen, jugendliche Konsumenten strafrechtlich zu verfolgen. Vielmehr sehe das Gesetz vor, dass die Staatsanwaltschaften bei geringen Mengen zum Eigenkonsum das Verfahren einstellten. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Konsumenten in die harte Drogenszene abdriften oder aus Angst vor der Polizei in Notfällen keine Hilfe holten, meinte Nickels. Die Bundesregierung setze daher auf Aufklärung und Prävention. Beispielhaft verwies sie auf ein Modellprojekt "Designerdrogen-Sprechstunde" in Rostock.

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