Abschlussbericht Leukämie-Häufung in der Elbmarsch bleibt ungeklärt

Die Häufung von Leukämiefällen unter Kindern in der Umgebung des schleswig-holsteinischen Kernkraftwerks Krümmel bleibt rätselhaft. 14 Jahre nach dem Beginn der wissenschaftlichen Untersuchungen räumt eine Expertenkommission ein, keine klaren Ergebnisse gefunden zu haben.

Hannover - Man befinde sich "in der traurigen Situation", trotz aufwändiger Untersuchungen nach 14-jähriger Tätigkeit keine handfesten Ergebnisse liefern zu können, sagte Erich Wiedemann, Leiter der Expertenkommission, in Hannover. Er könne keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der erhöhten Leukämierate bei Kindern und dem Kernkraftwerk Krümmel oder dem Forschungszentrum Geesthacht erkennen. Die Blutkrebsrate bei Kindern in der Elbmarsch sei Anfang der neunziger Jahre drei- bis viermal höher gewesen als normal. Dies könne aber auch eine statistische Schwankung sein.

Andere Wissenschaftler der Kommission wie die Bremer Physikerin Inge Schmitz-Feuerhake vermuten dagegen weiterhin aufgrund der Daten, dass es einen bislang unentdeckten Atomunfall gegeben haben muss. Wichmann sagte, dies seien wissenschaftliche Außenseiter-Meinungen. Den Abschlussbericht hätten die beiden Sprecher der Kommission allein verfasst, da es in dem Gremium keine einheitliche Meinung gebe, sagte Wichmann weiter. Der Bericht sei den übrigen Kommissionsmitgliedern vor der Veröffentlichung nicht vorgelegt worden.

Die von der niedersächsischen Landesregierung 1991 eingesetzte Kommission, die parallel zu einer ähnlichen Wissenschaftler-Gruppe in Schleswig-Holstein arbeitete, ist wegen der unterschiedlichen Bewertung von Daten seit Jahren zerstritten. Erst vor wenigen Wochen waren sechs Mitglieder der Expertenkommission in Kiel zurückgetreten.

Der Staatssekretär im niedersächsischen Sozialministerium, Gerd Hoofe, nannte es bedauerlich, dass die Ursache der Erkrankungshäufung bei Kindern aus der niedersächsischen Samtgemeinde Elbmarsch trotz enormer Bemühungen der Experten nicht aufgeklärt werden konnte.

Die Landesregierung teilt demnach die Feststellung im Abschlussbericht, dass "keine Belege für den nahe liegenden Verdacht gefunden werden konnten, es gäbe einen Zusammenhang zwischen den Leukämiefällen und den Emissionen der Anlagen."

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