Ägypten Archäologen finden Gräber von Pyramiden-Bauarbeitern

Archäologen haben auf einen Schlag ein Dutzend Tote aus der Zeit der Pharaonen gefunden. Diesmal aber handelt es sich nicht um hochgestellte Persönlichkeiten, sondern um einfache Arbeiter. Doch auch ihre Gräber erzählen eine spannende Geschichte.


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Gizeh-Pyramiden: Die Ruhestätten der Bauarbeiter
Kairo - Wenn Tote aus dem Alten Ägypten es bis in die Neuzeit schaffen, handelt es sich meist um Pharaonen, Priester oder hohe Beamte. Jetzt aber haben Forscher die rund 4000 Jahre alten Überreste von Bauarbeitern gefunden, die an den großen Pyramiden von Gizeh beschäftigt waren. Die Art ihrer Bestattung widerlege die weitverbreitete Annahme, die Pyramiden seien von Sklaven gebaut worden, sagte Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerbehörde.

Die Archäologen entdeckten die etwa ein Dutzend Skelette in rund drei Meter tiefen Schächten, die während der vierten Dynastie zwischen 2575 und 2467 vor Christus angelegt worden waren. In der trockenen Wüstenluft blieben nicht nur ihre Knochen gut erhalten, sondern auch eine Reihe von Gefäßen, die einst Bier und Brot enthielten - damit es den Bestatteten im Jenseits an nichts fehlte.

Die Grabbeigaben zeigten, dass die Bauarbeiter zwar aus armen Familien stammten, für ihre Arbeit aber bezahlt und hoch geachtet worden seien, sagte Hawass. "Auf keinen Fall wären sie so ehrenvoll bestattet worden, wenn sie Sklaven gewesen wären." Schon die Nähe ihrer Ruhestätten in unmittelbarer Nähe der heiligen Pyramiden beweise das. Die toten Arbeiter wurden gemäß dem altägyptischen Glauben mit dem Kopf Richtung Westen und den Füßen Richtung Osten bestattet. Die Gräber enthielten kein Gold oder andere Wertgegenstände - weshalb Plünderer sie meist verschonten.

Die Arbeiter mögen zwar keine Sklaven gewesen sein, ein leichtes Leben führten sie dennoch nicht: Ausgrabungsleiter Adel Okasha betonte, dass die Knochen deutliche Spuren von Arthritis zeigen. Auch den unteren Wirbeln sei die enorme Belastung deutlich anzusehen. "Ihre Knochen erzählen uns, wie hart sie gearbeitet haben", so Okasha.

Die Pyramiden-Erbauer haben laut Hawass regelmäßig Fleisch gegessen und in Drei-Monats-Schichten gearbeitet. 10.000 von ihnen hätten mehr als 30 Jahre benötigt, um eine der Pyramiden fertigzustellen. Das ist nur ein Zehntel der Arbeitskraft, die nach den Berichten des griechischen Geschichtsschreibers Herodot notwendig war. Der konnte allerdings auch nicht aus erster Hand berichten: Er besuchte Ägypten um das Jahr 450 vor Christus - als die Pyramiden schon mehr als 2000 Jahre alt waren.

Herodot hatte die Pyramidenbauer als Sklaven beschrieben und damit eine Vorstellung geschaffen, die bis in die Hollywoodfilme der Gegenwart hineinreicht. Gräber der Arbeiter wurden erstmals 1990 entdeckt: Ein Tourist stolperte über eine Mauer, die sich später als Teil eines Grabs erwies.

mbe/AP



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