Ägypten Forscher entdecken 4500 Jahre alte Grabkammer

Sie ist mit bunten Reliefs verziert und sehr gut erhalten. Südlich von Kairo haben Forscher eine etwa 4500 Jahre alte Grabkammer gefunden. Zuvor hatten sich Räuber darin bedient.

Mohamed el-Shahed/ AFP

Ägyptische Archäologen haben in der Totenstadt Sakkara südlich von Kairo eine rund 4500 Jahre alte Grabkammer untersucht. Das größtenteils gut erhaltene Grab eines hochrangigen Würdenträgers aus der fünften Dynastie ist mit bunten Reliefs und Inschriften ausgestaltet, wie das ägyptische Ministerium für Altertümer mitteilte. Die Grabkammer wurde demnach bereits im März entdeckt und nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Das L-förmige Grab beginnt mit einem kleinen Gang, der nach unten in eine Vorkammer führt. Diese sei besonders reich dekoriert und gut erhalten geblieben, heißt es. Über die Vorkammer gelangt man in die deutlich größere Grabkammer, berichtet der Leiter der Ausgrabung, Mohammed Megahed. Der Sarkophag aus Kalkstein sei in der Vergangenheit allerdings von Grabräubern komplett zerstört worden.

Die Reliefs zeigen unter anderem den Grabbesitzer namens Chuwi, der an einem Tisch mit Opfergaben sitzt. Außerdem haben die Forscher kleine Gefäße und Schmuck aus Kalzit und dunklem Gestein in der Kammer gefunden.

Fundstücke aus der Zeit um 2500 bis 2300 vor Christus

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Grab in Ägypten: Kammer der bunten Reliefs

Chuwi lebte den Angaben zufolge vermutlich zur Zeit der fünften Dynastie, die von 2500 bis 2300 vor Christus in Ägypten herrschte. Zur feierlichen Öffnung der Grabkammer hatte Altertumsminister Chaled al-Enani Dutzende Journalisten, Botschafter und Kulturattachés aus mehr als 20 Ländern eingeladen.

Dass in Sakkara mit wertvollen Funden zu rechnen ist, wissen Archäologen seit Langem. Sie haben dort schon mehrere Gräber aus der fünften Dynastie entdeckt. Im Dezember 2018 fanden sie etwa ein 4400 Jahre altes Priestergrab. Kürzlich sind die Wissenschaftler zudem auf einer Granitsäule auf den Namen der Königin Setibhor gestoßen, die wahrscheinlich die Ehefrau von König Djedkare Isesis gewesen ist, dem achten und vorletzten König der fünften Dynastie.

2018 entdeckten sie außerdem eine vergoldete Mumienmaske, einen 3200 Jahre alten Streichkäse und Dutzende Katzenmumien.

jme/AFP/dpa/

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KingTut 14.04.2019
1. Historisch wertvoll
Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wenn solche Zeugnisse aus einer der faszinierendsten Phasen der Menschheitsgeschichte entdeckt werden. Es ist gut, dass Forscher sich dabei insbesondere auch auf die vordynastische Zeit sowie das Alte und das Mittlere Reich konzentrieren. Es ist schade, dass auch damals schon Habgier dazu geführt hat, dass die meisten Gräber ausgeraubt wurden. Was könnten wir wohl für wunderschöne Kunstschätze bestaunen, wenn das nicht geschehen wäre. Es bleibt die Hoffnung, dass wir weitere Gräber finden, die durch glückliche Fügung unangetastet geblieben sind. Dennoch sollten wir uns an dem historischen Wert dieser Entedckung erfreuen, der unser Wissen aus jener Zeit vergrößert. Über die Entdeckung dieses wunderschönen Grabes berichtete auch die Luxor Times am 2. April: http://luxortimes.com/2019/04/unique-4500-year-old-nobleman-tomb-discovered/
Knossos 14.04.2019
2.
Zitat: "Die Funde liefern Hinweise darauf, wie die Menschen vor etwa 4500 Jahren in Ägypten gelebt haben." Vielleicht erhellend dazu (wenngleich besonders Zensurwütige Information und Fingerzeig nicht immer schätzen), daß Ruhestätten Erlauchter archäologisch am wenigsten ergiebig sind. Für diesen wissenschaftlichen Zweig sind Gräber gewöhnlich Sterblicher bedeutsamer, da sie sehr viel mehr Aufschluß bezüglich allgemeiner Lebensweise erlauben. Zugleich aber sind Funde niederen Volks rarer, bzw. sehr viel weniger erhalten.
Sissy.Voss 14.04.2019
3. Dem darf getrost widersprochen werden
Zitat von KnossosZitat: "Die Funde liefern Hinweise darauf, wie die Menschen vor etwa 4500 Jahren in Ägypten gelebt haben." Vielleicht erhellend dazu (wenngleich besonders Zensurwütige Information und Fingerzeig nicht immer schätzen), daß Ruhestätten Erlauchter archäologisch am wenigsten ergiebig sind. Für diesen wissenschaftlichen Zweig sind Gräber gewöhnlich Sterblicher bedeutsamer, da sie sehr viel mehr Aufschluß bezüglich allgemeiner Lebensweise erlauben. Zugleich aber sind Funde niederen Volks rarer, bzw. sehr viel weniger erhalten.
Dem darf getrost widersprochen werden: weil in Ägypten das Begräbnis von Arbeitern idR bis auf Wegzehrung für das Jenseits beigabenlos war, ist da nicht viel an Information zu holen. Brot und Bier und vielleicht noch Lauch in weitgehend stereotypen Gefäßen geben kaum Aufschlüsse über die Lebensweise. Interessanter sind da schon die Arbeitersiedlungen, die man durchaus auch gefunden hat; am berühmtesten ist wohl Deir el-Medina. Ist wie im Christentum: die armen Teufel werden ohne Beigaben beerdigt, von den Fürsten gibt es sogar Schriftzeugnisse. Davor, also vor der Christianisierung frühestens im 7. Jh., haben auch "Normalbürger" die Chance gehabt, in ihrer Tracht und mit Beigaben bestattet zu werden.
Knossos 14.04.2019
4.
Zitat von Sissy.VossDem darf getrost widersprochen werden: weil in Ägypten das Begräbnis von Arbeitern idR bis auf Wegzehrung für das Jenseits beigabenlos war, ist da nicht viel an Information zu holen. Brot und Bier und vielleicht noch Lauch in weitgehend stereotypen Gefäßen geben kaum Aufschlüsse über die Lebensweise. Interessanter sind da schon die Arbeitersiedlungen, die man durchaus auch gefunden hat; am berühmtesten ist wohl Deir el-Medina. Ist wie im Christentum: die armen Teufel werden ohne Beigaben beerdigt, von den Fürsten gibt es sogar Schriftzeugnisse. Davor, also vor der Christianisierung frühestens im 7. Jh., haben auch "Normalbürger" die Chance gehabt, in ihrer Tracht und mit Beigaben bestattet zu werden.
Deshalb hatte ich angedacht, "Hinterlassenschaften" anstelle von "Gräbern" zu schreiben. Nur klang das zu sehr nach Abort; wenngleich auch dieser als Informationsquelle dient.
neanderspezi 14.04.2019
5. Die Darstellung mit dem Grabbesitzer verdient eine Interpretation
Der Tisch vor dem der Grabbesitzer Chuwi sitzend dargestellt ist, sieht auffällig leer aus. Vermutlich soll damit gezeigt werden, dass der Verstorbene von der Auswahl an Speisen, die dekorativ in einer Art von Regal dargestellt sind, sich nach eigenem Belieben selbst bedienen kann und sich dadurch keinem Speiseplan unterziehen muss, was als zusätzliche Achtung und Ehrerbietung vor dem Toten in seiner jenseitigen Welt anzusehen ist. Mit dieser Darstellung soll vermutlich auch gezeigt werden, dass die aufgeführten Speisen ihm immerwährend zur Verfügung stehen. Die Interpretation dieser Darstellung könnte ausführlicher behandelt werden, denn sie sagt viel über den Respekt und die Achtung gegenüber den Verstorbenen aus und beschreibt die religiöse Vorstellung ihres Aufenthalts im Totenreich zu jener Zeit und sie sagt auch, dass Leben und Tod als parallele Ereignisse aufgefasst wurden und bedeutsam erdgebundener betrachtet wurden als in unserer Zeit.
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