Ägypten Forscher öffnen 2500 Jahre alten Sarkophag - live im Fernsehen

In einer lange vergessenen Grabstätte in Ägypten haben Archäologen die gut erhaltene Mumie einer Hohepriesterin entdeckt. Vor laufender Kamera öffneten sie weitere Särge.

DISCOVERY CHANNEL / REUTERS

Wissenschaftler in Ägypten haben in einer Grabstätte südlich von Kairo mehrere Sarkophage geöffnet. Einer enthielt die etwa 2500 Jahre alte Mumie einer Hohepriesterin mitsamt goldenen Beigaben. Die Arbeiten in der Grabstätte bei Minja wurden in einer zweistündigen Livesendung des US-Senders "Discovery" gezeigt.

Die in Leinen gewickelte Mumie der Geistlichen sei gut erhalten, hieß es. Die Priesterin hatte Toth gedient, dem altägyptischen Gott der Weisheit und der Magie. In einem zweiten Sarkophag entdeckten die Forscher eine weitere Frauenmumie, die mit blauen Perlen dekoriert ist. Der dritte Sarkophag enthält die schlecht mumifizierten Überreste eines Mannes.

Die Sarkophage stammen aus der 26. Dynastie, die im Jahr 525 vor Christus endete. Die Grabstätte bei Minja war im Februar vergangenen Jahres wiederentdeckt worden. Bereits 1927 hatten Wissenschaftler dort einen großen Kalksteinsarkophag gefunden. Anschließend war die Fundstelle jedoch in Vergessenheit geraten und erst wieder näher untersucht worden, nachdem ein Grabräuber versucht hatte, Relikte zu entwenden.

Bei den Untersuchungen stießen Archäologen in dem Netz von Tunneln und Gräbern auf insgesamt 40 Mumien. Sie schließen nicht aus, dort weitere wichtige Entdeckungen zu machen.

Archäologie als große Show

Nach Angaben des Senders "Discovery" war die Graböffnung ein Gemeinschaftsprojekt mit dem ägyptischen Ministerium für Altertümer. Ob der Regierung in Kairo für die Sendung Geld gezahlt wurde, ließ der Sender offen.

"Letztendlich ist es ein Medienspektakel, aber es könnte die Menschen dazu bringen, sich für Altertümer zu begeistern", hatte eine ägyptische Archäologin, die anonym bleiben wollte, vor Ausstrahlung der Livesendung der Nachrichtenagentur AFP gesagt. Wenn die Sendung gut gemacht sei, könne sie auch eine Chance für den Tourismus sein.

Andererseits stellt sich nach Auffassung der Archäologin die Frage: "Wenn dem Ministerium von einem großen Sender Geld gezahlt wird, um Altertümer zu zeigen, wo landet das Ganze?" Fließe das Geld in den Staatshaushalt oder "woandershin"? "Wir brauchen mehr Transparenz darüber, wo das Geld hingeht", forderte die Wissenschaftlerin.

Ägypten versucht durch die Vermarktung archäologischer Entdeckungen den Tourismus anzukurbeln, der seit den Protesten gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak im Jahr 2011 eingebrochen ist. Nach Angaben der Regierung hat sich die Branche inzwischen leicht erholt. 2017 besuchten demnach 8,3 Millionen Touristen das Land. Von den 14,7 Millionen Besuchern im Jahr 2010 ist das Land aber noch weit entfernt.

jme/AFP/Reuters



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