Satellitenbild der Woche Im Nildelta wird das Ackerland knapp

In Ägypten steigt die Bevölkerungszahl, Städte dehnen sich rasend schnell aus. Damit geht eine wertvolle Ressource verloren: fruchtbares Ackerland an den Ufern des Nils.
Die Verstädterung lässt das Ackerland in Ägypten schrumpfen.

Die Verstädterung lässt das Ackerland in Ägypten schrumpfen.

Foto: NASA Earth Observatory

Vor mehreren Tausend Jahren, als die Pharaonen über das Land am Nil herrschten, lebten in Ägypten etwa drei Millionen Menschen. Heute sind es mehr als 30 Mal so viele. Und in den vergangenen Jahrzehnten ist die Wachstumsrate der Bevölkerung besonders stark gestiegen: Waren es in den Achtzigerjahren noch rund 45 Millionen, sind es heute mehr als 100 Millionen  – jeder hundertste Mensch auf der Welt kommt aus Ägypten.

Und Menschen brauchen Platz. Mehr als 95 Prozent der Ägypterinnen und Ägypter leben in Städten an den Ufern des Nils. Aber Menschen brauchen auch etwas zu essen. Und viele Lebensmittel müssen auf Ackerland angebaut und kultiviert werden. In Ägypten wird fruchtbares Land knapp.

Zwischen dem westlichen Rosette-Arm und dem östlichen Damietta-Arm wird das Ackerland im Nildelta knapp. Hier zu sehen ist ein Vergleich der Jahre 1984 und 2021.
Zwischen dem westlichen Rosette-Arm und dem östlichen Damietta-Arm wird das Ackerland im Nildelta knapp. Hier zu sehen ist ein Vergleich der Jahre 1984 und 2021.

Zwischen dem westlichen Rosette-Arm und dem östlichen Damietta-Arm wird das Ackerland im Nildelta knapp. Hier zu sehen ist ein Vergleich der Jahre 1984 und 2021.

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Derzeit können nur mehr rund vier Prozent des Bodens in Ägypten landwirtschaftlich genutzt werden. Und weil die Städte mit dem Bevölkerungswachstum immer größer werden und sich immer neue Vorstädte entwickeln, ist davon auszugehen, dass das verfügbare Ackerland weiter schrumpfen wird.

»Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass es sich um eine Krise handelt«, sagte dazu der Wissenschaftler Nasem Badreldin, der an der kanadischen Universität von Manitoba forscht. »Satellitendaten zeigen uns, dass Ägypten pro Jahrzehnt etwa zwei Prozent seines Ackerlandes durch die Verstädterung verliert, und dieser Prozess beschleunigt sich. Wenn das so weitergeht, wird Ägypten vor ernsthaften Problemen bei der Ernährungssicherheit stehen.«

Wie sich das Land verändert hat, zeigen diese Satellitenaufnahmen.

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Zu sehen ist die Umgebung der Stadt Alexandria – links im Jahr 1984, rechts im Jahr 2021. Viel Ackerland ist durch Bebauung der Flächen verloren gegangen. Einer Datenanalyse nach ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche in der Nähe von Alexandria zwischen 1987 und 2019 um elf Prozent zurückgegangen. Die städtischen Gebiete haben um denselben Prozentsatz zugenommen.

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Dass Ackerland – teils auch unerlaubt – zu Bauland wird, ist keine neue Entwicklung. Doch Fachleute beobachten eine steigende Tendenz seit dem »Arabischen Frühling« 2011.

Auch der Meeresspiegelanstieg verringert das verfügbare Ackerland

Die Verstädterung ist jedoch nicht die einzige Entwicklung, die Ägyptens Ackerland bedroht. Auch der Anstieg des Meeresspiegels wirkt sich auf die verfügbare Fläche aus: Derzeit steigt der Pegel um 1,6 Millimeter pro Jahr. Und das genügt, um Probleme zu machen. Insbesondere an den Rändern des Nildeltas südwestlich von Alexandria dringt Salzwasser vor und versalzt die Äcker.

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden schon jetzt etwa 15 Prozent des fruchtbarsten Ackerlandes Ägyptens durch den Anstieg des Meeresspiegels  und das Eindringen von Salzwasser geschädigt.

Die globale Erwärmung machen Expertinnen und Expertinnen dabei für etwa die Hälfte des Anstiegs des Meeresspiegels im Nildelta verantwortlich. Die andere Hälfte werde durch ein Absinken des Bodens verursacht. Dazu trage die Verdichtung der Flächen ebenso bei wie die Förderung von Grundwasser und Öl.

Ist der Weg in die Wüste die Lösung?

Eine Reaktion auf den Verlust von Ackerland sind die Bemühungen, Teile der Wüste zu bebauen und zu begrünen. Es gibt in Ägypten Bestrebungen, mit dem Bau von Autobahnen, Eisenbahnstrecken, Wasser- und Stromleitungen einen Zugang in die Wüste zu schaffen und dort neues Ackerland zu erschließen.

Die folgenden zwei Bilder unten zeigen, dass bereits landwirtschaftliche Flächen am Rand der Wüste entstehen.

1984 links, 2021 rechts
1984 links, 2021 rechts

1984 links, 2021 rechts

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Machbar ist das nur durch aufwendige Bewässerungssysteme, die von Grundwasserpumpen gespeist werden. »Es ist durchaus möglich, durch die Nutzung von Grundwasserressourcen neues Ackerland in der Wüste zu erschließen, aber das ist ein schwieriger, ressourcenintensiver und teurer Prozess«, sagte der Forscher Badreldin. »Die nährstoffarmen Böden und die intensiven Ressourcen, die für die Landwirtschaft in der westlichen Wüste benötigt werden, sind ein schlechter Ersatz für die reichhaltigeren, fruchtbareren Böden im Delta.«

vki