Ägyptens Altertumsminister Zahi Hawass tritt vom Rücktritt zurück

Zahi Hawass ist wieder da: Der schillernde Archäologe übernimmt erneut das ägyptische Ministerium für Altertümer. Erst vor wenigen Wochen hatte der 63-Jährige das Amt niedergelegt - weil er dem gestürzten Machthaber Hosni Mubarak zu nahe stand.
Zahi Hawass: Erst Rückzug, dann Rückkehr

Zahi Hawass: Erst Rückzug, dann Rückkehr

Foto: Khaled Elfiqi/ dpa

Kairo - Zahi Hawass, der Anfang März entmachtete, langjährige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, ist wieder in Amt und Würden. Der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf ernannte den 63-jährigen Archäologen am Mittwoch zum Minister für Altertümer. Das Amt hatte Hawass schon vom gestürzten Präsidenten Husni Mubarak erhalten, als dieser vor seinem Abgang am 11. Februar die Regierung umgebildet hatte.

Hawass' Nähe zum alten Regime kostete ihn dann seinen Job - aber nicht für lange: Alte Freunde aus der Altertümerverwaltung, die Hawass von 2002 an geleitet hatte, lagen der neuen Regierung so lange in den Ohren, bis Scharaf nachgab und den politischen Überlebenskünstler an die Spitze des nun wieder vom Kultusministerium abgetrennten Altertümer-Ressorts hievte, berichtete die Website almasryalyoum.com.

Hawass gilt als einer der einflussreichsten Ägyptologen der Welt - und auch als schillernder Selbstdarsteller, der sich gerne in Entdeckerpose in alten Gräbern und Tunneln ablichten lässt. Hawass' Hut - der vermutlich nicht umsonst stark an die Kopfbedeckung des Filmhelden Indiana Jones erinnert - gibt es sogar auf der Website der Tutanchamun-Wanderausstellung zu kaufen ("Werde ein Forscher mit Zahi Hawass' offiziellem Forscherhut!"). Wer noch nicht genug hat, kann auch Hawass' persönlichem Fanclub  beitreten.

Mit seiner regelmäßig wiederholten Forderung nach Rückgabe der weltberühmten Nofretete-Büste aus dem Neuen Museum in Berlin hat Hawass auch in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Die Uno-Kulturorganisation Unesco hatte zuletzt ihre Appelle verstärkt, das historische Erbe Ägyptens besser zu schützen. Während der wochenlangen Unruhen in Ägypten waren hunderte antike Objekte bei Plünderungen gestohlen oder beschädigt worden.

Im Zusammenhang mit dem Umsturz in Ägypten wurden Proteste gegen Hawass laut: Archäologie-Studenten und junge Forscher beschuldigten ihn der Korruption und warfen ihm vor, zu viel Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Außerdem wurde kritisiert, dass er Mubarak und dessen Familie zu nahe stehen würde.

In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE wies Hawass das zurück: "Diese jungen Leute demonstrieren aus einem einzigen Grund: Weil sie einen Job wollen! Nichts weiter." Den Ministerposten würde er "liebend gern hinschmeißen", sagte er - doch das war offenbar nicht so ernst gemeint.

mbe/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.