Agententechnik Pistole in der Bohrmaschine

Lippenstifte mit Kameras, Oliven mit Wanzen - die Fantasie der Spionagetechniker kennt keine Grenzen. Ein Museum in Paderborn bietet jetzt faszinierende Einblicke in Werkzeuge und Tricks der Schlapphüte. James Bonds Cheftechniker "Q" hätte seine Freude daran.


Paderborn - In Zigarettenschachteln versteckte Kleinstbildkameras, als Bohrmaschine getarnte Pistolen oder in Oliven verborgene Abhörwanzen sind ab Samstag im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museum zu bestaunen. Sie zählen zu den Objekten der Ausstellung "Mata Hari, James Bond & Co.", die einen faszinierenden Einblick in die Welt der Spionagetechnik gibt.

Tödliches Handwerk: In dieser Bohrmaschine steckt eine Pistole
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Tödliches Handwerk: In dieser Bohrmaschine steckt eine Pistole

Bis zum 27. November sind Ausrüstungsgegenstände und Werkzeuge von Spionen aus Vergangenheit und Gegenwart zu sehen. Die meisten Objekte stammen aus der Zeit des Kalten Krieges und wurden von Agenten oder Spionen des CIA, der Stasi oder des KGB benutzt, wie der Sammler Heinrich Peyers vor Beginn der Schau berichtete.

Die Konstrukteure der Spionagedienste ließen ihre Fantasie spielen. So versteckten sie eine Minikamera zur Ablichtung geheimer Dokumente im Lippenstift, einen USB-Speicherstick im Füllfederhalter oder tarnten Kleinstempfänger mit eingebauter Wanze als Hörgerät. Selbst Lebensmittel wurden und werden von Agenten für ihre Zwecke missbraucht. Da ist eine Kartoffel zu sehen, die von der CIA noch 1990 mit Plastiksprengstoff gefüllt wurde, oder eine präparierte Walnuss, in der Geheimbotschaften versteckt wurden.

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Spione: Werkzeuge zum Täuschen und Schnüffeln

Nur wenige Millimeter messen Abhörwanzen, die getarnt in einer Olive oder einem Kugelschreiber kaum zu erkennen sind. Technische Wunderwerke sind die Minikameras wie die legendäre Minox, die fast jeder Agent in der Hosentasche hatte. Dass eine der Hauptfähigkeiten von Agenten die Verschleierung der eigenen Identität ist, dokumentieren die umfangreich ausgestatteten Fälschungskoffer. In Alltagsgegenständen verborgene Waffen wie die Pistole in der Bohrmaschine belegen, dass Spionage ein durchaus blutiges Geschäft war und ist.

Spionage sei so alt wie die Menschheit selbst, heißt es. Schon immer versuchten die Menschen, sich durch Ausspähen von Geheimnissen Vorteile zu verschaffen. "Die Ausrüstung und die Techniken der Spionage sind allerdings heute viel komplizierter und ideenreicher, als es sich die ersten Agenten je hätten träumen lassen", weiß der Sammler Keith Melton zu berichten. Nach seinen Angaben operieren die meisten modernen Spione unter höchst individuellen Umständen, so dass sie auf ihre Bedürfnisse zurechtgeschnittene Techniken und Geräte benötigen.

Requisiten aus Bond-Filmen

In Bezug auf Präzision, Miniaturisierung und Tarnung ist die Agententechnik nach Angaben von Andreas Stolte vom Nixdorf-Museum einzigartig. Vorwiegend handelt es sich um in Geheimwerkstätten entwickelte Technologien. Ausgestellt sind auch Originalrequisiten aus James-Bond-Filmen, unter anderem der legendäre BMW aus dem Film "Der Morgen stirbt nie". Auch ein Goldbarren aus dem Film "Goldfinger" sowie diverse Kleinartikel aus der Werkstatt des Cheftechnikers "Q" sind zu sehen.

Viele der Erfindungen rund ums Thema Spionage werden im Rahmen einer Museumsnacht am Samstag auch demonstriert. Am Beispiel von Mata Hari wird die Agententätigkeit "mit den Waffen einer Frau" exemplarisch dargestellt. Ein Originalkleid von Mata Hari aus den Niederlanden ist in der Ausstellung zu sehen.

Aber auch die Kehrseite der Medaille, das Los gefangen genommener Spione und Agenten - Verhör, Folter oder Tod - wird in der Ausstellung behandelt. Besucher können Tresorknackern über die Schulter schauen, und für das leibliche Wohl sorgen zum Beispiel Spezialitäten aus der russischen Küche und Wodka-Martini, selbstverständlich geschüttelt, nicht gerührt, wie Stolte betonte.

Im Rahmen der für Besucher kostenlosen Ausstellung gibt es auch eine Reihe von Vorträgen. Experten berichten über die Geschichte der Spionage etwa von Alexander dem Großen über die Geheimdiplomatie des Papstes bis hin zum Versagen der Nachrichtendienste im Vorfeld der Anschläge in den USA am 11. September 2001. Auch über Bonner Regierungssekretärinnen, die von Agenten der DDR-Stasi im Unternehmen "Romeo" auch zur Spionage verführt wurden, wird berichtet.

Andreas Rehnolt, AP



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