Ahnenforschung Bush-Vorfahr war ein schwedisches Raubein

George W. Bush soll schwedische Vorfahren haben. Ein Einwanderer aus Göteborg sei der älteste bekannte Europäer in Bushs Ahnenlinie, fand ein Forscher heraus. Zehn Generationen vor dem heutigen US-Präsidenten tauschte der Immigrant Waren mit Indianern, verkaufte Tabak - und war ein Aufrührer.

Kein Franzose oder Deutscher - es hätte schlimmer kommen können für George W. Bush. Ahnenforschern ist es gelungen, den Stammbaum des US-Präsidenten über zehn Generationen bis zu einem Mann aus Schweden zurückzuverfolgen. Auch der neutrale Staat im Norden zählt nach der Diktion von "New Europe" nicht zu den Lieblingsländern der US-Regierung. "Der mächtigste Mann der Welt stammt aus Schweden", jubelt hingegen die Stockholmer Zeitung "Svenska Dagbladet".

Immerhin war der Auswanderer in der präsidialen Ahnengalerie ein echtes Raubein. Das dürfte Bush gefallen haben. Der Präsident und seine Familie seien sehr interessiert an den Forschungsergebnissen, sagte David Emmi von der schwedischen Kolonialgesellschaft, einer Vereinigung schwedischstämmiger US-Amerikaner.

Dem Ahnenforscher Peter Craigs ist es gelungen, eine Lücke im Stammbaum der Bushs zu schließen: In der achten Ahnengeneration hatte ein Robert Mercer eine Ann Mounce zur Frau genommen. Von welchen Eltern diese Dame stammte, war bislang unbekannt. Craigs wurde in der Kolonie Nya Sverige auf dem Gebiet des heutigen US-Bundesstaats Delaware fündig: Diese Siedlung bot zwischen 1638 und 1655 vielen Neuankömmlingen eine erste Heimat.

So auch Måns Andersson, der im Oktober 1639 auf dem Schiff "Kalmar Nyckel" von Göteborg aus Europa verlassen hatte. Anderssons Sohn Christopher setzte acht Kinder in die Welt, darunter ein Mädchen namens Ann - dieselbe, die 1737 den Bush-Vorvater Mercer heiraten sollte.

Die Suche nach diesem Ast der Familie wurde durch mehrere Vornamenswechsel erschwert: Entsprechend schwedischer Tradition hieß Måns Anderssons Sohn mit Familiennamen Mansson - schwer auszusprechen für seine amerikanischen Nachbarn. Mit der Zeit wurde aus Mansson das anglisierte Mounts. Mounts' Tochter Ann indes taucht in den über 250 Jahre alten Unterlagen mit einer anderen Schreibweise auf: Mounce.

Der Fund des Ahnenforschers gewährt einen Blick in die Zeit der frühen Kolonisierung Nordamerikas durch europäische Auswanderer. Viele der Menschen auf den Auswandererbooten waren damals entweder Soldaten oder Kriminelle. "Sechs Monate auf hoher See und dann dieses neue, unbekannte Land voller Gefahren", sagte David Emmi der Zeitung "Svenska Dagbladet", das sei nicht eben verlockend gewesen.

Ob auch Bushs Vorfahr ein schwerer Junge gewesen ist, geht aus den Untersuchungen von Craig nicht hervor - sein Vorleben in Schweden liegt weiter im Dunkeln. Bekannt ist nur, dass er nicht aus Göteborg stammt, sondern aus einem Ort namens Silleryd. Heute existiert kein Dorf dieses Namens in ganz Schweden, einzig Sillerud in der Region Värmland kommt als Heimat des Bush-Vorfahrs in Frage.

Frisch in der neuen Heimat angekommen, schlug Måns Andersson jedenfalls auf den Putz: Zusammen mit 20 anderen Neuamerikanern zettelte er einen Aufstand gegen den Gouverneur von Nya Sverige an. Von diesem verlangten sie das Recht, ungehindert untereinander und vor allem mit den benachbarten Indianern Handel treiben zu dürfen. Der Aufstand schlug fehl, die Aufrührer mussten die Kolonie verlassen. Nach dem Tod des Gouverneurs kehrte Andersson zurück und wurde Inspekteur für den Tabakhandel in die alte Heimat.

Die letzte urkundliche Erwähnung des ältesten europäischen Vorfahren des US-Präsidenten lässt den Schluss zu, dass er am Ende seines Lebens ein geselliger Kerl gewesen ist. Ein holländischer Reisender berichtete 1679 von einem Besuch bei Andersson: "Wir haben bei ihm übernachtet und fühlten uns herzlich willkommen. Er, seine Frau und seine Kinder sprachen gut Holländisch und wir haben alles Mögliche besprochen, was im Lande so passiert."

Stefan Schmitt/AFP

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