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Ahnenforschung in Québec: Fruchtbare Pioniere

Foto: DPA/ Science/ Familie Bherer

Ahnenforschung Erstbesiedler waren fruchtbarer als Nachzügler

Frühere Hochzeit, mehr Kinder: Die Erstbesiedler Kanadas aus dem 17. Jahrhundert zeugten mehr Nachkommen als ihre Nachzügler. Zu diesem Schluss kommen Ahnenforscher nach Analyse der Stammbäume von mehr als einer Million Kanadier. Offenbar bietet Neuland einen evolutionären Vorteil.

Bern/Montréal - Der Entdeckergeist steckt dem Menschen im Blut. In den letzten rund 50.000 Jahren haben unsere Vorfahren von Afrika aus die ganze Welt besiedelt. Das war nur möglich, weil es immer wieder Menschen gab, die in noch gänzlich unbekannte und unbewohnte Gebiete vordrangen und diese urbar machten.

Laurent Excoffier von der Universität Bern und vom Schweizerischen Institut für Bioinformatik (SIB) hat nun gemeinsam mit Kollegen aus Kanada untersucht, wie sich dieses Pioniertum im Erbgut späterer Populationen niederschlug. Stammen die heutigen Menschen aus einem Gebiet in der kanadischen Provinz Québec von den ersten Siedlern ab, die sich dort niederließen - oder stammen sie von Menschen ab, die erst später in die neu erschlossenen Gebiete zogen?

Wie die Forscher nun im Wissenschaftsjournal "Science" berichten , zahlt sich die wagemutige Eroberung eines neuen Lebensraums für die Siedler offenbar aus: Viele Pioniere bekamen mehr Kinder als jene Paare, die in einem bereits bewohnten Gebiet leben.

Die Forscher hatten die Stammbäume von über einer Million Menschen analysiert, die in der Region Charlevoix Saguenay-Lac-St.-Jean nordöstlich der Stadt Québec lebten oder leben. Sie griffen dazu auf Kirchenregister zurück, die bis ins Jahr 1686 zurückreichen - ein übliches Verfahren für Genealogen, wie Ahnenforscher genannt werden.

Québec wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals von Europäern besiedelt. Ein rasches Bevölkerungswachstum und die Entwicklung der holzverarbeitenden Industrie führte dazu, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein immer neue Gebiete besiedelt wurden.

Die Daten sprechen nach Meinung der Forscher eine deutliche Sprache: Ein Großteil der Bevölkerung, die heute in dem Gebiet lebt, hat Vorfahren, die damals zu den Pionieren und Erstbesiedlern neuer Regionen gehörten. Die ersten Siedler hatten also deutlich mehr Kinder als Siedler, die ihnen später nachfolgten.

Eine Frage von gutem Farmland

Die Forscher berechneten, dass die Frauen der Pioniere 15 Prozent mehr Kinder bekamen. 40 Prozent der Pionierfamilien hatten mehr als fünf Kinder; bei den Nachzüglern waren es nur 26 Prozent. Pionierfrauen heirateten im Schnitt ein Jahr jünger als später ankommende Frauen.

Zu diesem erhöhten Fortpflanzungserfolg beigetragen hat wohl die Verfügbarkeit von fruchtbarem Land. "Die Menschen konnten jünger heiraten, weil in den neuen Gebieten mehr Farmland zur Verfügung stand, während gutes Land in den Kerngebieten häufig bereits besetzt war", wird Laurent Excoffier in einer Mitteilung des SIB zitiert.

Zwar beleuchtet die Studie nur einen winzigen Ausschnitt aus der Evolution des Menschen. Doch Neubesiedelungen und -entdeckungen seien eine enorme Erfolgsgeschichte bei der Erschließung unseres Planeten, schreiben die Forscher. Es sei deshalb wahrscheinlich, dass ein großer Teil all unserer Vorfahren solche Pioniere gewesen seien.

Das heißt auch, dass sich im Lauf der Zeit wohl Charakterzüge durchsetzten, die Auswanderung und Neubesiedelung begünstigten. Die Folge davon seien wohl die menschliche Neugier und unser Verlangen, immer über die nächste Bergspitze oder den nächsten Hügel zu schauen, schreibt das SIB.

cib/dapd
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