Aids Lebenserwartung von HIV-Infizierten stark gestiegen

Neue Therapien haben die Lebenserwartung von HIV-Infizierten seit 1996 spürbar verlängert - um durchschnittlich 13 Jahre. Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso länger leben die Patienten, wie eine aktuelle Studie ergab.


In den achtziger Jahren galt Aids als unheilbare Krankheit, die binnen weniger Jahre unweigerlich zum Tod führt. Doch mittlerweile hat sich die Situation geändert. Aids habe sich von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit entwickelt, berichten Robert Hogg vom British Columbia Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver (Kanada) und Jonathan Sterne von der britischen University of Bristol.

Solidarität im Aids-Opfern: Betroffene haben immer höhere Lebenserwartung
AP

Solidarität im Aids-Opfern: Betroffene haben immer höhere Lebenserwartung

Seit 1996 kann die Immunschwächekrankheit dank antiretroviraler Medikamente deutlich effizienter als zuvor behandelt werden. Die Therapie habe die Lebenserwartung nach derzeitigem Kenntnisstand um durchschnittlich 13 Jahre verlängert. Das geht aus einer Vergleichsstudie mit Daten von 33.000 Patienten hervor, welche die Forscher im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht haben (Bd. 372, S. 293). Die Lebenserwartung stieg demnach im Schnitt von 36,1 auf 49,4 Jahre.

Für die nun veröffentlichte Überblicksstudie wurden 14 Einzelstudien aus Europa, Kanada und den USA ausgewertet. Im Zeitraum von 1996 bis 2005 starben insgesamt 2056 Patienten. Die Sterblichkeitsrate sank im Untersuchungszeitraum um 40 Prozent.

Je früher die Behandlung einer HIV-Infektion einsetze, umso höher sei die Lebenserwartung, so die Forscher. Allerdings reiche die Lebenserwartung von Aids-Patienten noch bei weitem nicht an die der Bevölkerung im Allgemeinen heran. Das liege unter anderem daran, dass der Anteil der Konsumenten harter Drogen unter Aids-Patienten hoch ist.

Seit dem Bekanntwerden der Aids-Epidemie Anfang der achtziger Jahre fielen der Krankheit weltweit rund 25 Millionen Menschen zum Opfer. Derzeit gibt es 33 Millionen HIV-Positive, davon zwei Drittel in Afrika südlich der Sahara. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass das Risiko einer HIV-Infektion bei Afrikanern unter anderem aufgrund einer genetischen Disposition höher liegt als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Das sogenannte DARC-Gen, das gegen Malaria schützt, erhöht demnach das Risiko einer HIV-Infektion.

Radikale Wende in amerikanischer Aids-Forschung

Nach mehreren schweren Rückschlägen hat die Aids-Forschung in den USA eine radikale Wende zurück zur Grundlagenforschung eingeläutet. Das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das rund 80 Prozent der weltweiten Ausgaben für die Impfstoffsuche verantwortet, will sich künftig statt auf klinische Versuche mit Patienten stärker auf die Basisrecherche im Labor konzentrieren, wie Institutschef Anthony Fauci erklärte.

Statt der Suche nach einem Impfstoff müsse es zunächst darum gehen, den Mechanismus zu verstehen, mit dem sich das wandlungsfähige Virus immer wieder dem Fokus des menschlichen Immunsystems entzieht. "Wir dürfen nicht erwarten, dass wir morgen einen großen Impfversuch starten können und in ein paar Jahren die Antwort haben", sagte Fauci. Sein Institut hatte jüngst einen geplanten Impfstoffversuch noch vor Beginn gekippt, nachdem sich ein sehr ähnlicher Impfstoffkandidat des US-Pharmakonzerns Merck als Fehlschlag erwiesen hatte.

hda/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.