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09. März 2001, 12:27 Uhr

Aids

Neuer Impfstoff zeigt nachhaltig Wirkung

Auf der Suche nach einer Impfung gegen die Immunschwäche Aids glauben Forscher, einen entscheidenden Schritt vorangekommen zu sein. Dabei erwiesen sich unerwartete Probleme als äußerst hilfreich.

Ein Team der Emory University in Atlanta ist auf einen Aids-Impfstoff gestoßen, der den Ausbruch der Krankheit bei Affen verhindern konnte. Auch sieben Monate nach der ersten Impfung hielt die Immunisierung noch an.

Modell des HI-Virus: Infiziert aber nicht krank
DPA

Modell des HI-Virus: Infiziert aber nicht krank

Wie das US-Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet, setzte Harriet Robinson bei ihren Untersuchungen auf einen zweistufigen Impfstoff, der schon lange in der Diskussion ist: Zunächst wurde 24 Affen eine im Labor gezüchtet Variante des HI-Virus gespritzt, der in eine bakterielle DNS eingebaut wurde. Den zweiten Teil der Immunisierung bildete ein abgeschwächtes Vakzinia-Virus (MVA), das in ähnlicher Form auch bei der Pockenschutzimpfung verwendet wird.

Eigentlich wollten Robinson und ihr Team bereits drei Monate nach der Impfung überprüfen, ob die Affen gegen Aids geschützt waren. Doch es gab Probleme. Die Forscher planten, ihre Versuchstiere rektal zu infizieren, da das HI-Virus bei Menschen in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird.

Um dabei erfolgreich zu sein, mussten sie allerdings zunächst austesten, in welcher Dosis das Virus zu verabreichen war. Hierfür waren, so "Science", drei Versuche notwendig - und mehrere Monate Arbeit.

Als Robinson und ihr Team schließlich die Affen mit dem Virus konfrontieren konnten, waren bereits sieben Monate vergangen. Wie erwartet, wurden alle 24 Tiere mit dem Erreger infiziert. Doch anders als Affen aus einer nicht-geimpften Kontrollgruppe, bei denen Aids zum Ausbruch kam und letztlich zum Tode führte, konnten die geimpften Tiere die Infektion größtenteils kontrollieren.

Auch rund sieben Monate nach der Ansteckung hatte das Immunsystem der Affen keinen Schaden genommen, die Tiere blieben gesund - und sind es, so die Emory University, immer noch. Zwar konnte der Impfstoff die Infektion mit dem gefährlichen Virus nicht verhindern - auch die geimpften Affen wurden HIV-positiv -, dafür unterdrückte er die Ausbreitung im Körper - vergleichbar mit Menschen, die sich mit dem HI-Virus infizieren, ohne jedoch an Aids zu erkranken. Da zudem die Konzentration des Virus im Körper der Affen äußerst gering war, sehen die Forscher kein großes Ansteckungsrisiko.

Bereits im kommenden Jahr soll der Impfstoff in den USA auch an Menschen getestet werden.

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