Aids-Prävention Gel senkt Infektionsrate um 30 Prozent

Kann eine Vaginalcreme HIV-Infektionen bei Frauen verhindern? Bislang nicht, aber Mediziner sind optimistisch, dass es eines Tages klappt. In einer Studie in Südafrika hat ein Gel jetzt eine Schutzrate von 30 Prozent erreicht.


Die Idee ist bestechend: Damit Frauen Kinder bekommen und sich zugleich vor Aids schützen können, sollen sie zu einer Vaginalcreme greifen. Dieses sogenannte Mikrobizid tötet HI-Viren ab und verhindert so die Infektion, an der vor allem in Afrika bereits Millionen Menschen gestorben sind. Frühere Versuche mit Rhesusaffen verliefen erfolgversprechend. 2005 berichteten Mediziner über eine Schutzwirkung von 75 Prozent. Das damals eingesetzte Gel enthielt drei verschiedene Wirkstoffe.

Aids-Waise aus Südafrika (Archivbild): Ermutigende Ergebnisse mit Anti-Aids-Gel
AFP

Aids-Waise aus Südafrika (Archivbild): Ermutigende Ergebnisse mit Anti-Aids-Gel

Eine solche Quote schien bei klinischen Studien mit Menschen bislang kaum erreichbar. Im Gegenteil: Vor zwei Jahren mussten zwei Studien mit Vaginalcremes sogar abgebrochen werden, weil das Mittel Zellulosesulfat versagt hatte. Bei Tests in Benin, Indien, Südafrika und Uganda zeigte sich, dass sich mehr Frauen ansteckten, wenn sie das Gel benutzten als ohne.

Drei Studien mit anderen Mikrobiziden wurden jedoch weitergeführt. Bei einer davon vermelden Forscher nun einen ersten Erfolg. Das Präparat "Pro 2000" habe etwa ein Drittel der Frauen vor einer HIV-Infektion geschützt, sagte Salim Abdul Karim vom Center for the Aids Program of Research in Südafrika auf einer Konferenz in Montreal. Erstmals sei damit gezeigt worden, dass ein Microbizid beim Menschen funktioniere. Nach Karims Angaben nahmen 3000 Frauen an der Studie Teil, bei 30 Prozent von ihnen habe das Gel die erhoffte Wirkung gezeigt.

"Wir haben einen vielversprechenden Kandidaten", sagte Karim. "Pro 2000" könne aber noch nicht als Mikrobizid betrachtet werden, betonte er. Vorher seien weitere Untersuchungen nötig. In der nun vorgestellten Studie wurden Frauen untersucht, die selbst nicht, aber deren Männer mit HIV infiziert waren. Dabei ging es noch gar nicht darum, die Effizienz des Gels zu bestimmen. Vielmehr wollten die Forscher die Sicherheit der Anwendung überprüfen. Die Auswertung der Daten ergab aber auch, dass "Pro 2000" die Infektionsrate um 30 Prozent verringert hat.

"Auch wenn wir noch mehr Daten benötigen, um Rückschlüsse auf die Wirkung von 'Pro 2000' ziehen zu können, so sind die Ergebnisse ermutigend", sagte Antony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, eine US-Behörde, die an der Studie beteiligt ist.

Weltweit sind etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 25 Millionen sind bereits an Aids gestorben. In Afrika, wo die tödliche Krankheit besonders schlimm wütet, stecken sich Frauen in erster Linie bei ihren Männern an. Um die Pandemie zu stoppen, suchen Wissenschaftler schon seit längerem nach wirksamen Mikrobiziden.

"Was würden Sie einer verheirateten Frau als HIV-Schutz empfehlen, die in einem Dorf lebt und Kinder haben möchte?", fragte Karim. "Wir können nicht für Abstinenz plädieren. Wir können auch nicht für eheliche Treue plädieren, denn die Frau ist treu." Auch Kondome seien keine sinnvolle Empfehlung, schließlich wolle die Frau ja Kinder haben. Eine wirksame Vaginalcreme ist laut Karim die einzig sinnvolle Lösung.

Catherine Hankins, Chefwissenschaftlerin des Programms UNAIDS der Vereinten Nationen, nannte die Ergebnisse der Studie "vielversprechend". Eine Schutzrate von 30 Prozent sei immer noch besser als eine von Null, sagte sie im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Um HIV-Infektionen zu verhindern, müssten ohnehin mehrere Dinge kombiniert werden, erklärte sie. Dazu gehörten auch Kondome und der Verzicht auf viele Sexualpartner.

Für ein zweites getestes Mikrobizid mit dem Namen "BufferGel" liegen ebenfalls erste Ergebnisse vor. Die Forscher fanden bislang jedoch keine Hinweise auf eine schützende Wirkung. Die Untersuchungen beider Gele sollen fortgesetzt werden. Mit "Pro 2000" läuft nach Hankins Angaben derzeit eine Studie mit 9673 Teilnehmerinnen, die statistisch deutlich zuverlässigere Ergebnisse liefern soll. Ergebnisse sollen im November vorliegen.

Mikrobizide sollen verhindern, dass HI-Viren über die Schleimhäute der Geschlechtsorgane in den weiblichen Körper gelangen. Die erhofften Funktionsweisen dahinter: Entweder steigern die Mittel die natürlichen Abwehrmechanismen der Vaginalflora, oder sie blockieren eine Interaktion zwischen Virus und Körperzellen.

hda/Reuters

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