Aids-Vorsorge Gel könnte Kondome ersetzen

Ein Schutzgel hat bei Versuchen mit Affen HIV-Infektionen verhindert. Wissenschaftler hoffen, dass sich damit schon bald Frauen vor Aids schützen können, deren Partner keine Kondome benutzen wollen.

Aids-Forscher setzen große Hoffnungen in Schutzcremes, die HIV-Infektionen verhindern sollen. Als Alternative zu Kondomen könnten derartige Mikrobizide Millionen Menschenleben retten. Jetzt meldet ein internationales Forscherteam einen wichtigen Durchbruch: Ein vaginales Gel mit bis zu drei Wirkstoffen habe sich im Versuch mit Rhesusäffchen als hochgradig wirksam erwiesen, berichten die Forscher im Magazin "Nature" (Online-Vorabveröffentlichung ).

Schon seit Jahren forschen Mediziner an Mikrobiziden, chemischen Verhütungsmitteln und Virenkillern, die Frauen als Gel, Flüssigkeit oder Schaum vor dem Sex in die Scheide einführen können - idealerweise auch ohne, dass es der Partner mitbekommt. Mikrobizide müssen unsichtbar und geruchlos sein und Frauen beim Verkehr mit Männern, die ein Kondom ablehnen, vor der gefürchteten Infektion bewahren.

Das von den Wissenschaftlern jetzt getestete Mikrobizid besteht aus kleinen Molekülen oder Peptiden, die das HI-Virus daran hindern, sich Zugang zu den Zellen in der Schleimhaut zu verschaffen. An der Entwicklung beteiligt waren auch zwei Pharmahersteller.

Beim Einsatz des neuen Mikrobizids nimmt eines der kleinen Moleküle einen bestimmten Rezeptor in Beschlag und hindert das Virus daran, anzudocken und so in Zellen einzuschmuggeln. Ein zweites Molekül konzentriert sich auf ein Protein in der Hülle des Aids-Erregers. Der dritte Wirkstoff, ein Peptid, hindert das Virus endgültig daran, sich bei den Menschenaffen zu etablieren.

Insgesamt 51 weibliche Rhesusäffchen wurden im Rahmen der Studie einer hohen Dosis eines HI-Virus ausgesetzt, das dem menschlichen Aids-Erreger stark ähnelt. Die Affen waren zuvor mit den drei Wirkstoffen in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen behandelt worden. 75 Prozent der Affen blieben dank des Gels ohne Infektion. Bei den Affen, die das Mikrobizid aus allen drei Wirkstoffen bekommen hatten, kam es zu keiner einzigen HIV-Infektion. Das Gel war bis zu sechs Stunden lang wirksam.

Die neue Kombination aus drei Wirkstoffen muss allerdings noch Tests an Menschen bestehen, bevor an einen Einsatz in der Aids-Prävention zu denken ist. Derzeit gibt es auf dem Markt noch kein für den Menschen zugelassenes Gel. In Afrika testen Wissenschaftler noch bis 2007 fünf verschiedene Mikrobizide mit jeweils einem Wirkstoff - erst dann werden Ergebnisse vorliegen.

Als vielversprechender Infektionshemmer hatte sich zuletzt ein bestimmter Zucker der Muttermilch erwiesen. Forscher von der Universität Amsterdam konnten im Laborversuch zeigen, dass die Zuckermoleküle eine HIV-Infektion verhindert können.

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