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23. Dezember 2010, 17:29 Uhr

Akustik

Erschöpfung verändert die Stimme

Müdigkeit ist nicht nur spürbar, sondern auch hörbar: Forscher haben herausgefunden, wie die Erschöpfung den Klang der Stimme beeinflusst. Sie hoffen auf ein simples Verfahren, rechtzeitig vor Übermüdung zu warnen - und so gefährliche Situationen zu verhindern.

Nach einer längeren Phase ohne Schlaf verändert sich die Stimme auf charakteristische Weise - diesen Zusammenhang haben australische Forscher jetzt experimentell belegt. Wenn die Erschöpfung zunimmt, wird die Stimme zunehmend langsamer, unkontrollierter und verliert ihre Tiefe.

Diese typischen Muster könnten es in Zukunft ermöglichen, den Erschöpfungszustand eines Menschen anhand von Tonaufnahmen einzustufen, glauben die Forscher um Adam Vogel von der University of Melbourne. So ließe sich Übermüdung zum Beispiel etwa am Arbeitsplatz rechtzeitig erkennen, wovon Schichtarbeiter, Soldaten, Mediziner oder Fernfahrer profitieren könnten. "Es gibt ein steigendes Interesse an einfachen Methoden, die dabei helfen, Erschöpfungszustände objektiv zu ermitteln", sagt Vogel.

An der Studie, die demnächst im "Journal of the Acoustical Society of America" veröffentlicht wird, nahmen 18 junge Erwachsene teil, die in einem Zeitraum von 24 Stunden regelmäßig Sprachtests absolvierten: Alle zwei Stunden nahmen die Forscher auf, wie die Probanden einen lang anhaltenden Ton von sich gaben, einen Text vorlasen und zählten. Schlafen durften die Probanden zwischen den Sprachtests nicht.

Kraft in den Stimmbändern lässt nach

Die Aufnahmen zeigten einen charakteristischen Zusammenhang: Im Verlauf der 24 Stunden verlangsamte sich die Sprechgeschwindigkeit zunehmend, die Schwankungen bei der Tonhöhe nahmen zu, die tiefen Klänge schwanden. Den Grund dafür sehen die Forscher im Nachlassen der Kraft in den Stimmbändern: Je länger ein Mensch wach ist, desto mehr verliert er die Feinkontrolle über die Muskulatur - dadurch entstehen die Effekte einer müden Stimme.

Vor kurzem hatte sich ein Forscherteam in Schweden mit anderen Auswirkungen von Müdigkeit auseinandergesetzt. Sie belegten in einer Studie, dass mit zunehmendem Schlafmangel auch die Attraktivität nachlässt.

wbr/dapd

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