Alarmierender Bericht Geschlechtskrankheiten grassieren unter US-Teenagern

US-Gesundheitsforscher sind alarmiert: Jede vierte junge Frau zwischen 14 und 19 Jahren hat einer Studie zufolge eine sexuell übertragbare Krankheit. Besonders dramatisch sind die Zahlen bei Teenagern afroamerikanischer Abstammung.


Washington - Zum ersten Mal hatten US-Forscher des Center for Disease Control and Prevention eine landesweite Studie zu sexuell übertragbaren Krankheiten unter jungen Frauen durchgeführt. Die nun vorgelegten Ergebnisse basieren auf Daten aus den Jahren 2003 und 2004 - und sind verheerend: Statistisch gesehen hatte jede vierte der gut 800 untersuchten Frauen eine sexuell übertragbare Infektion.

Junges Paar: "Was wir herausgefunden haben, ist alarmierend"
CORBIS

Junges Paar: "Was wir herausgefunden haben, ist alarmierend"

Rechnet man diese Zahlen aus der Altersgruppe zwischen 14 und 19 Jahren auf die Gesamtbevölkerung hoch, kommt man auf 3,2 Millionen betroffene junge Frauen.

"Was wir herausgefunden haben, ist alarmierend", sagte Studienleiterin Sara Forhan. Sie befürchtet, dass eine große Zahl der Erkrankungen unbehandelt bleibt - und dass die Frauen auf diese Weise Unfruchtbarkeit und Krebserkrankungen riskieren. Die Forscher raten deswegen unter anderem zu verstärkten Schutzimpfungen gegen das Humane Papillomavirus (HPV), die vor bestimmten Formen von Gebärmutterhalskrebs schützen sollen.

Konkret im Blick hatten die Forscher das Papillomavirus (gefunden bei 18 Prozent der Untersuchten), Chlamydien (rund 4 Prozent), Herpesviren (knapp 2 Prozent) und das Geißeltierchen Trichomonas vaginalis (2,5 Prozent). Weil nur die Verbreitung der vier häufigsten Krankheiten berücksichtigt worden sei, könne die tatsächliche Gesamtzahl der Erkrankten noch viel höher sein, warnten die Autoren der Studie. Beziehe man Syphilis, Gonorrhö und Aids mit ein, sehe das Bild unter Umständen noch finsterer aus - auch wenn diese Krankheiten bei jungen Frauen der untersuchten Altersgruppe traditionell sehr selten auftreten.

Besonders dramatisch ist die Lage offenbar unter Frauen afroamerikanischer Abstammung. Hier litt fast jede Zweite der Untersuchten an einer der vier Krankheiten. Unter den weißen jungen Frauen und unter denen mexikanischer Abstammung lag die Quote bei ungefähr 20 Prozent.

Nichtregierungsorganisationen fordern nun Konsequenzen aus den vorgestellten Zahlen. Zwar kommen beispielsweise längst nicht alle HPV-Infektionen beim Sex zustande, dennoch spricht sich Cecile Richards, Chefin der Planned Parenthood Foundation, für bessere und umfassendere Sexualkundeausbildung aus. Ein milliardenschweres Regierungsprogramm zur Verbreitung der sexuellen Abstinenz sei gescheitert, erklärte sie - und junge Frauen würden den Preis dafür zahlen.

chs/rtr/AFP



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