Alarmierender Bericht Uno-Klimaexperten zeigen angsterregende Szenarien auf

Gletscher könnten abschmelzen, Tier- und Pflanzenarten aussterben. Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, mehr Infektionskrankheiten: Der heute veröffentlichte Uno-Klimabericht zeichnet ein düsteres Bild. Die Erderwärmung ist nicht mehr zu stoppen - allenfalls zu bremsen.

Valencia - Der Klimawandel hat nach Angaben des Weltklimarats unzweifelhaft begonnen. Dies bewiesen Messungen der Luft- und Meereswassertemperaturen sowie steigende Meerespegel, erklärten die Experten heute bei der Vorstellung des neuen Klimareports des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Valencia. "Die schlimmsten Szenarien des IPCC sind so angsterregend wie ein Science-Fiction-Film", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Vorstellung des Dokuments in Valencia.

Der Eisfjord in Grönland: "Wie in einem Science-Fiction-Film"

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Foto: AP

Der jetzt fertiggestellte Report bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Uno-Klimakonferenz im Dezember auf Bali. Das Dokument fasst die schon bekannten drei Teilberichte zusammen - die Forscher warnen vor "abrupten und unumkehrbaren" Folgen des Klimawandels: Gletscher könnten sehr schnell abschmelzen, Tier- und Pflanzenarten aussterben.

Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, der Verlust küstennaher Landstriche, mehr Infektionskrankheiten und ein großflächiges Korallensterben. Der Report verweist auf den Menschen als Verursacher der Erderwärmung. Katastrophale Folgen drohten, wenn sich die Atmosphäre um mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Rund 0,7 Grad seien schon erreicht. Die Erderwärmung ist laut IPCC nicht mehr zu stoppen - sondern allenfalls zu bremsen.

Der vierte und abschließende Teil des Weltklimaberichts zeigt nach Ansicht Ban Ki Moons Strategien im Umgang mit den dramatischen Folgen des Klimawandels auf. Ban sagte, der IPCC-Bericht zeige, dass es "realistische und finanzierbare Wege gibt, mit dem Klimawandel umzugehen". Auf der Klimakonferenz in Bali müssten ein Durchbruch und ein "globales Abkommen zwischen allen Nationen" erzielt werden.

Die Delegierten in der ostspanischen Küstenstadt hatten sich am Freitag auf einen Entwurf für die Zusammenfassung der drei voraufgegangenen Teile des Berichts geeinigt. Die Daten des Weltklimarats liefern die wissenschaftliche Grundlage für die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen des Klimaschutzprotokolls von Kyoto, die am 3. Dezember auf der indonesischen Insel Bali beginnen.

In Washington wurde der Uno-Klimabericht begrüßt. "Wir haben eine sehr ausgewogene Position erreicht", sagte die US- Delegationsleiterin bei den Verhandlungen des Klimarates IPCC, Sharon Hayes. Ziel der USA sei es gewesen, "sicherzustellen, dass die Inhalte des Abschlussberichts mit dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft übereinstimmen", sagte sie vor Journalisten.

Zugleich äußerten sich die USA optimistisch über mögliche Fortschritte beim Kampf gegen den Klimawandel. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Verhandlungen vorankommen", sagte der Verantwortliche für Umweltpolitik im Weißen Haus, Jim Connaughton, mit Blick auf Bali. "Es scheint, als gebe es eine Menge Einigkeit", sagte Connaughton vor Journalisten in Washington. Zugleich betonte er, dass rasches Handeln notwendig sei. Allerdings nannte Connaughton keine konkreten Zahlen oder Daten beim Vorgehen gegen die Erderwärmung.

Das Treffen in Spanien war das erste, nachdem der IPCC mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Umweltschützer hoffen auf eine starke Wirkung des Berichts. Der Mensch sollte dem von ihm verursachten Klimawandel entschieden entgegentreten und den Ausstoß von Treibhausgasen so schnell und so weit wie möglich verringern, forderten Teilnehmer der Sitzung des Uno-Klimarates. "Kein Politiker wird jetzt mehr sagen können, er wisse nicht, was los sei", sagte der Klimaexperte Han Verolme von der WWF gestern. Die Beratungen in Valencia seien ein Meilenstein und würden den Kurs der Politik auf Jahrzehnte beeinflussen. "Eine starke Wortwahl des IPCC macht entschlossenes Handeln der Regierungen erforderlich. Der Ball liegt jetzt im Feld der Politik", sagte Verolme.

Weil immer noch viele Menschen vor dem Klimawandel die Augen verschlössen, hat die WWF unterdessen ein Klimazeugenprogramm gestartet: Geprüfte Berichte von Menschen aus aller Welt sollen zeigen, dass der Klimawandel bereits jetzt das Leben der Menschen beeinträchtigt. Ein Unternehmen für Tauchtouristen fürchtet demnach durch die vom Klimawandel ausgelöste Korallenbleiche ebenso um seine Existenz wie ein Rentierzüchter aus Norwegen.

Auf Bali wird das Nachfolge-Abkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls verhandelt. Darin hatten sich die Industriestaaten erstmals zur Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichtet. Die USA aber auch aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China sind dem Abkommen nicht beigetreten. Die Forscher betonen, dass künftige Regelungen deutlich stärker ausfallen müssen.

anr/dpa/AP

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