Aliens im Kornfeld Britische Regierung veröffentlicht neue Ufo-Berichte

Ein Beinahe-Crash zwischen Ufo und Passagierjet, Kreise im Kornfeld und Aliens vorm Haus - die britische Armee hat neue Dokumente über vermeintlich außerirdische Umtriebe veröffentlicht. Akribisch haben die Beamten alles erfasst, was Menschen rätselhaft erschien.

Die systematische Fahndung nach Ufos war keine Beschäftigung im Kalten Krieg allein. Das Londoner Verteidigungsministerium hat bis in die neunziger Jahre systematisch Berichte gesammelt, in denen es um angebliche Besuche von Außerirdischen geht. Bekannt wurde dies vor zwei Jahren, als der erste Ufo-Bericht der britischen Regierung an die Öffentlichkeit gelangte. Seitdem hat das Verteidigungsministerium bereits einen Schwung einstiger Geheimdossiers im Internet veröffentlicht - zuletzt im Mai. Damals ging es um Dokumente aus den Jahren 1978 bis 1987.

Die britischen Militärs haben die Ufo-Sichtungen übrigens nicht erfasst, weil sie Außerirdischen auf die Schliche kommen, sondern Spionage vorbeugen wollten. Die Nachforschungen zu einem angeblichen Ufo-Fall hörten auf, sobald die Beamten sicher waren, dass dahinter kein feindliches Flugzeug steckte. Das berichtet David Clarke, ein britischer Ufo-Experte, der die Veröffentlichung der Dokumente auf dem Server des Britischen Nationalarchivs mit vorbereitet hat.

Glaubwürdige Hinweise auf Aliens hat die aufwendige Recherche in dem Archiv der Ufo-Abteilung bislang nicht zu Tage gebracht. Das hält die Regierung jedoch nicht davon ab, immer mehr Dokumente ins Netz zu stellen.

19 neue, teils enorm umfangreiche Dokumente befinden sich jetzt auf der Webseite des Nationalarchivs . Sie umfassen den Zeitraum 1986 bis 1992. Damit sich Surfer nicht orientierungslos durch Hunderte Seiten mit Augenzeugenberichten, Behördenschreiben und Ufo-Skizzen wühlen müssen, hat die PR-Abteilung des Ministeriums eigens eine Anleitung dazugestellt , die beim Auffinden außergewöhnlicher Berichte hilft.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert vier der vermeintlichen Ufo-Sichtungen:

Beinahe-Kollision mit einem Alitalia-Jet

Am 21. April 1991 befand sich ein Passagierjet des Typs MD80 der italienischen Airline Alitalia auf dem Weg von Mailand nach London. Gegen 20 Uhr, die Maschine befand sich bereits im Sinkflug Richtung Heathrow, tauchte plötzlich etwas vor dem Flugzeug auf. "Ich sah für drei bis vier Sekunden einen fliegendes Objekt", schreibt der Kapitän in dem Formblatt, mit dem die Luftaufsichtsbehörde Berichte über Beinahe-Kollisionen erfasst.

Der Gegenstand habe einer Rakete geähnelt, sei fünf Meter lang und braun gewesen. Er habe sich genau in entgegen gesetzter Richtung zum Flugzeug bewegt, etwa 300 Meter höher. "Pass auf!", habe er seinem Co-Piloten zugerufen, schrieb der Kapitän. Danach habe er seinen Fluglotsen angefunkt und ihn gebeten, nachzusehen, ob es Auffälliges auf seinem Radarschirm gebe. Die Antwort: "Ich sehe ein unbekanntes Objekt zehn Meilen hinter Ihnen."

Eine Erklärung, was die Alitalia-Piloten am 21. April 1991 sahen, liefern die Dokumente nicht.

Ufo mit Kuppel in den West Midlands

"Sehr klar, keine Wolken" steht handgeschrieben im Formular der Royal Air Force. Die Sicht war also perfekt, als eine Engländerin am 23. März 1988 eine seltsame Beobachtung machte. Ein quadratisches Objekt mit rotem Licht an der Seite habe sich ihrem Haus im Sinkflug genähert. Oben habe sich eine Kuppel mit einem Fenster befunden. Das Ufo sei auf und ab und vor und zurück geflogen. Es habe so ausgesehen, als würde es gegen das Haus krachen.

Aus nur wenigen Metern Entfernung will die Frau sogar ins Innere des Ufos geblickt haben: "Es waren drei Personen, zwei saßen, eine stand. ... Alle schienen weiße Anzüge zu tragen." Das Ufo habe keine Geräusche gemacht. Nachdem die Beobachterin in ihr Haus gelaufen war und durch ein Fenster nach draußen schaute, entfernte sich das Objekt. Drei Lichtergruppen aus je vier Lampen seien auf der Rückseite zu erkennen gewesen.

Rätselhafte Kornkreise und eine Kunstaktion

Kreise in Getreidefeldern gehören zu jedem Ufologen-Grundkurs. Kein Wunder, dass auch das britische Militär immer wieder Meldungen über die mysteriösen Abdrücke bekam - und dazu allerlei bizarre Erklärungsversuche. Ein Bauer hatte sich beispielsweise 1988 beim der Royal Air Force über Kreise in seinen Feldern beklagt und tieffliegende Militärhubschrauber dafür verantwortlich gemacht.

In den Ufo-Dossiers finden sich nicht nur das Beschwerdeschreiben und einige Luftaufnahmen der Kornkreise, sondern auch eine Antwort des Verteidigungsministeriums. Die Schäden seien definitiv nicht von Hubschraubern verursacht worden, heißt es in dem Brief. "Offenbar sind die Kreise von Menschenhand geschaffen und bewusst so geformt worden, dass sie ein Muster bilden." Warum, wisse man allerdings auch nicht, wird dem Bauern zum Schluss beschieden. Und: "Es tut uns leid, dass wir nicht weiter behilflich sein können."

Die Ufo-Dokumentation belegt auch, dass britische Behörden sich 1990 ernsthaft mit dem Phänomen der Kornkreise beschäftigt haben. Bei einem Geheimtreffen, über das später allerdings auch das Fernsehen berichtete, diskutierten Vertreter dreier Ministerien den Sachverhalt. Darüber beklagte sich denn auch der Herausgeber des Magazins "Crop Watcher", das sich nach eigener Aussage der wissenschaftlichen Untersuchung der rätselhaften Kreise verschrieben hat: Die Ministerien hätten die Öffentlichkeit irregeführt, die Kornkreise seien eine Aktion zweier Künstler gewesen.

Tina Turner verbreitet Ängste vor Aliens

Im August 1989 sorgten Kreise am Himmel bei London für Aufregung. Sie sollen sich ähnlich wie die Strahlen von Suchscheinwerfern bewegt haben. Das knappe von der Royal Air Force West Drayton erfasste Protokoll vermerkt das Phänomen als "wechselnd".

Eine plausible Erklärung findet sich wenige Zeilen tiefer: Eine Lasershow wird da als mögliche Ursache angegeben. An dem Abend fand im Wembley-Stadion ein großes Konzert statt, unter anderem mit Tina Turner.

hda

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