Alkoholtest Schau mir in den Scanner, Kleiner!

Ein falscher Blick, und der Job ist weg: Ein neuartiger Augentest soll künftig verhindern, dass Angestellte betrunken, bekifft oder übermüdet zur Arbeit kommen.


Keine Munterkeit vortäuschen: Der Augenscanner registriert jedes Zucken
DPA

Keine Munterkeit vortäuschen: Der Augenscanner registriert jedes Zucken

Torrance - In der finsteren Welt des Science-Fiction-Films "Blade Runner" diente ein Augenscanner dazu, wirkliche Menschen von Androiden zu unterscheiden. Nun soll ein ähnliches System in Büros und Fabrikhallen einziehen, um müde von munteren Mitarbeitern zu trennen.

Das von der kalifornischen Firma Eye Dynamics entwickelte Verfahren SafetyScope benötigt 90 Sekunden. Die Testperson muss dabei in Sehtestgerät blicken und verschiedene Aufgaben bewältigen - etwa einen Lichtpunkt mit den Augen verfolgen. Ein Computer analysiert die Bewegungen und Reaktionszeiten der Augen sowie die Größe der Pupille.

Aus diesen Daten schließt die Apparatur auf die geistige Fitness des Probanden - ein falscher Blick, und der Job ist weg. Getäuscht werden kann der Augenscanner angeblich nicht: Das Testergebnis beruht auf dem so genannten Nystagmus, einem unfreiwilligen Augenzittern, das unter Drogeneinfluss oder bei Übermüdung unregelmäßiger wird.

SafetyScan sei nicht nur unkomplizierter und schneller, sondern auch vielseitiger als Urin-, Blut- oder Haaranalysen, behauptet Eye Dynamics. Die Trefferquote liegt der Firma zufolge bei 97 Prozent. Derzeit wird das System von einer US-Organisation erprobt, die Zeitarbeiter an die petrochemische Industrie vermittelt. Eye Dynamics hofft auf weitere Anwendungen etwa in der Luftfahrt. Dort könnte der Augenscanner Piloten entlarven, die sich vor einem Flug mit Alkohol oder Joints in Stimmung bringen.

Bürgerrechtler sehen mit dem neuen Gerät eine neue Ära der Überwachung heraufdämmern. Charles Phillips, Präsident von Eye Dynamics, wehrt ab: "Wir wollen nicht wissen, ob jemand am Wochenende auf einer Party Marihuana geraucht hat", sagte er dem "New Scientist". "Wir wollen nur herausfinden, ob er fit genug ist, um seinen Pflichten nachzukommen."



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