Altersforschung Ältere Männer haben es besser als ältere Frauen

Ja, Frauen leben länger. Aber eine neue Studie zeigt: Männer genießen in alternden Gesellschaften deutlich mehr Vorteile. Sie sind seltener arm und leben weniger oft allein.
Älterer Herr im Glück (mit Hund)

Älterer Herr im Glück (mit Hund)

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Westend61 / Getty Images

Im Alter zahlt es sich aus, ein Mann zu sein. Und das, obwohl die Lebenserwartung von Frauen die der Männer um mehrere Jahre übersteigt.

Warum das so ist, zeigt eine neue Studie, die im Fachjournal »The Lancet Healthy Longevity« veröffentlicht worden ist. Demnach genießen ältere Männer in alternden Gesellschaften – wie in Deutschland – deutlich mehr Vorteile als ältere Frauen.

Für die Erhebung verglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Singapur und den USA 18 Mitgliedstaaten der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Alle untersuchten Länder gelten als hoch entwickelt. Das Forscherteam um die Gesundheitswissenschaftlerin Cynthia Chen von der Nationalen Universität Singapur nutzte dafür Daten der OECD und der Weltbank aus den Jahren 2015 bis 2019 zu Faktoren wie Gesundheit und Wohlergehen, Zugang zu Bildung, oder finanzielle und physische Sicherheit.

Männer haben im Alter mehr Geld als Frauen

Der Vergleich zeigte: In alternden Gesellschaften seien Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit finanziell sicher. Außerdem verbrächten Männer weniger Jahre bei schlechter Gesundheit als Frauen.

Das bedeutet: Statistisch gesehen leben Frauen länger – in den OECD-Staaten sogar mehr als drei Jahre. Aber sie sind in den letzten Lebensjahren häufiger arm, häufiger krank und leben häufiger allein, auch weil männliche Partner früher sterben.

Unterschiede in den Geschlechterrollen würden nicht nur die Lebenswelten von Männern und Frauen prägen, sondern auch deren Erleben des Alterns, schreiben die Forscherinnen und Forscher.

Unabhängig vom Geschlecht schnitten die skandinavischen Länder , die Niederlande und Japan im Vergleich am besten ab. Länder wie Deutschland und die USA lagen im Mittelfeld, einige Länder in Süd- und Osteuropa, wie Ungarn oder Slowenien, schnitten vergleichsweise schlecht ab.

Besonders große Unterschiede zwischen den Geschlechtern beobachteten die Forscherinnen und Forscher in den Niederlanden, Österreich, Italien und Dänemark. Am ehesten ausgeglichen war das Verhältnis in Finnland, Irland, Polen und Spanien.

»Strukturelle und politische Schieflagen«

Bei der Verteilung von Ressourcen standen Männer in allen 18 untersuchten Ländern besser da als Frauen.

Für eine alternde Weltbevölkerung sind das wichtige Erkenntnisse. 2019 waren weltweit rund 700 Millionen Menschen 65 Jahre und älter. Bis 2050 könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln. »Da die Weltbevölkerung in beispiellosem Maße altert, sollten die strukturellen und politischen Schieflagen, die Männer begünstigen, dringend in Angriff genommen werden«, betonte die Studienautorin Chen in einer Mitteilung der Zeitschrift.

vki/dpa
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