Altes Ägypten Forscher rekonstruieren Stimme von 3000 Jahre alter Mumie

Wie klang der ägyptische Priesters Nesyamun vor drei Jahrtausenden? Forscher haben den Sprechapparat des Mannes mit einem 3D-Drucker nachgebaut und einen Tonschnipsel erzeugt. Hören Sie selbst.
Mumie des ägyptischen Priesters Nesyamun: Forscher untersuchten seine Rachenstruktur im Computertomografen

Mumie des ägyptischen Priesters Nesyamun: Forscher untersuchten seine Rachenstruktur im Computertomografen

Foto: Leeds Teaching Hospitals/ Leeds Museums and Galleries.

Forscher haben die Stimme einer 3000 Jahre alten ägyptischen Mumie in die Gegenwart geholt. Das Team um Stephen Buckley von der Universität Tübingen untersuchte den mumifizierten Kopf des ägyptischen Priesters Nesyamun zunächst im Computertomografen. Anschließend rekonstruierte es den Stimmapparat des Mumifizierten im 3D-Drucker.

Die Abmessungen von Rachen und Zunge legen fest, wie ein Mensch klingt. Durch die Mumifizierung sind die Strukturen bei dem Priester recht gut erhalten geblieben. Mithilfe eines elektronischen Kehlkopfs sowie eines Lautsprechers konnten die Forscher so einen Stimmlaut erzeugen, der einen Eindruck davon geben soll, wie sich der Mann einst angehört haben könnte.

Nur ein kurzer Tonschnipsel

DER SPIEGEL

Nesyamun lebte unter Pharao Ramses XI., der um den Beginn des elften Jahrhunderts vor Christus regierte. Seine Mumie liegt im Stadtmuseum im britischen Leeds und wird dort erforscht. Experten gehen davon aus, dass der Priester in seinen Fünfzigern starb, vermutlich an einer allergischen Reaktion nach einem Insektenstich.

Die Stimme Nesyamuns sei für seine Arbeit essenziell gewesen, schreiben die Forscher. Als Priester habe er Reden halten und singen müssen. Dabei klang er den Wissenschaftler zufolge wahrscheinlich etwas höher als der durchschnittliche Mann heutzutage.

Der Ton, den sie nun erzeugt hätten, ähnele den Vokalen in den Worten "bed" und "bad", schreiben Buckley und sein Team im Fachmagazin "Scientific Reports" . Die Forscher räumen allerdings ein, dass es unwahrscheinlich sei, dass sie die Stimme des Priesters exakt getroffen haben. Das Problem: Seine Zunge hat über drei Jahrtausende hinweg einen großen Teil ihrer Masse verloren, außerdem fehlt das Gaumensegel des Priesters. Hier war Fantasie gefragt.

Rekonstruktion des Sprechapparats im 3D-Drucker: Zungenmuskulatur und Gaumen blieben über die 3000 Jahre nicht erhalten

Rekonstruktion des Sprechapparats im 3D-Drucker: Zungenmuskulatur und Gaumen blieben über die 3000 Jahre nicht erhalten

Foto: Mengli Feng/ Alex Clarke

"In unserer Audiodatei hört man Nesyamun so, wie er in seiner aktuellen Position im Sarkophag geklungen haben könnte", sagte der Erstautor der Studie David Howard von der University of London. Mit dem elektronischen Kehlkopf ließen sich allerdings keine vollständigen Wörter oder Sätze erzeugen, schreiben die Autoren. Dazu müsste ermittelt werden, welche Töne der Sprechapparat in Bewegung erzeugt. Daran werde derzeit noch gearbeitet.

Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, sind allerdings skeptisch, dass es in absehbarer Zeit gelingen wird herauszufinden, wie die 3000 Jahre alte Mumie gesprochen hat: Selbst hochmoderne Medizin habe Mühe, lebenden Menschen ohne Kehlkopf eine natürlich klingende Stimme zu geben, sagte Rudolf Hagen vom Universitätsklinikum Würzburg, der sich auf Kehlkopfrekonstruktionen spezialisiert hat.

jme/AP
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