170 Jahre altes Bier Das ist bitter

Mehr als 170 Jahre lagen zwei Bierflaschen auf dem Boden der Ostsee - jetzt wurden sie im Labor geöffnet, ihr Inhalt analysiert. Das Ergebnis: Bier schmeckte damals deutlich bitterer als heute.
Bierflasche aus dem Schiffswrack: 170 Jahre am Boden der Ostsee

Bierflasche aus dem Schiffswrack: 170 Jahre am Boden der Ostsee

Foto: VTT/ Antonin Halas

München - Es sind nur zwei Bierflaschen, aber längst nicht irgendwelche: Sie gehörten zur Ladung eines Schoners, der in den Vierzigerjahren des 19.Jahrhunderts in der Ostsee versank. Im Jahr 2010 wurden die Flaschen von Tauchern vor der finnischen Insel Åland entdeckt.

Jetzt haben Wissenschaftler erstmals den Inhalt der bauchigen braunen Glasflaschen analysiert, wie die Technische Universität München mitteilt. Allerdings haben sich die Forscher im Labor nicht etwa einen ordentlichen Schluck genehmigt. Daran hätten sie wohl auch kaum Freude gehabt, schließlich sei über die Jahre Salzwasser in die ansonsten intakten Bierflaschen eingedrungen: "Die ursprünglichen fruchtigen, Malz- oder Hopfen-Noten des Biers waren nicht mehr zu erkennen; bakterielle Stoffwechselprodukte hatten es sauer werden lassen."

60 Geschmackskomponenten des Hopfens analysiert

Die Flaschen enthielten zwei verschiedene Biere. Zusammen mit Kollegen des VTT Technical Research Centre of Finland habe man sie analysieren können, berichten die Münchner. Dabei geholfen habe eine Massenspektrometrie-Methode, mit sich mehr als 60 Geschmackskomponenten des Hopfens sichtbar machen ließen. Die Auswertung habe ergeben, dass das Bier mit sogenannten betasäurereichen Hopfensorten gebraut wurde. Aus Sicht heutiger Trinker dürfte es also unangenehm bitter geschmeckt und über einen etwas niedrigeren Alkoholgehalt verfügt haben.

In Bezug auf die Hefe habe sich das Bier dagegen kaum von modernen Sorten unterschieden. Allerdings habe es Phenylethanol enthalten, einen Geruchsstoff, der an Rosenduft erinnert, schreiben die Forscher im "Journal of Agricultural & Food Chemistry" . Doch bei der Sache dreht es sich eben nicht nur um reine Wissenschaft - eine Brauerei vermarktet das Getränk bereits.

chs
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