Videoaufnahmen aus Amazonasbecken Forscher haben erstmals Kontakt zu isoliert lebenden Ureinwohnern

Seltene Begegnung im Amazonas-Regenwald: Ureinwohner eines bisher völlig abgeschieden lebenden Stamms haben offenbar erstmals Kontakt zur Außenwelt aufgenommen. Ein Video zeigt die Begegnung, die einen tragischen Hintergrund hat.

Das Amazonasbecken gilt als eine der letzten Regionen der Welt mit Ureinwohnern, die noch nie Kontakt zur modernen Zivilisation hatten. Jetzt kam es offenbar zu einer ersten Begegnung zwischen einem solchen isoliert lebenden Stamm und der Außenwelt.

Nach Angaben von Brasiliens nationaler Behörde für indigene Völker (Funai) fand der erste Kontakt zu den Angehörigen des in der Gegend ansässigen Asháninka-Stamms am 26. Juni statt. Anschließend ist ein Funai-Team in das Gebiet gereist und hat am Fluss Envira nahe der brasilianisch-peruanischen Grenze erneut Kontakt aufgenommen.

Ein Video zeigt, wie die Ureinwohner die Wissenschaftler gestenreich empfangen, der Austausch verläuft friedlich. Die Experten wollen eigenen Angaben zufolge mehr über die Lebensbedingungen der Ureinwohner erfahren, um sie und ihre Umwelt besser schützen zu können. Derzeit leben nach Funai-Angaben 77 Stämme im brasilianischen Regenwald, die noch nie Kontakt zur Zivilisation hatten.

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Brasilien: Erster Kontakt mit isoliertem indigenen Stamm

Foto: REUTERS/Fundcao Nacional do Indio

Die jetzt kontaktierten Ureinwohner gehören laut der Behörde zu einer Gruppe namens Rio Xinane. Sie werden der Pano-Sprachfamilie im Osten Südamerikas zugeordnet. Praktischerweise gehörten zum Funai-Team Dolmetscher, die diese Sprache beherrschen. "Ich war glücklich, dass wir mit ihnen sprechen konnten", sagte Jaminawa Jose Correia, einer von ihnen, der Nachrichten-Webseite "G1". Die Ureinwohner seien in das Gebiet gekommen, um nach Waffen und Verbündeten zu suchen. "Sie sagten, dass sie von Nicht-Ureinwohnern angegriffen wurden und dass viele von ihnen an Krankheiten wie Grippe und Diphtherie gestorben seien."

Angst vor Epidemien

Die Ureinwohner-Menschenrechtsgruppe Survival International äußerte Besorgnis über den Vorfall. "Das schlechteste Szenario ist, dass sie die Grippe in ihre Dörfer einschleppen", sagte Stephen Corry, Direktor der Organisation. Krankheiten, gegen die die Indios keine Abwehrkräfte besitzen, hätten in der Vergangenheit ganze Stämme ausgelöscht. Funai habe ein medizinisches Team geschickt, um mehrere mit Grippe infizierte Indios zu behandeln.

Die brasilianischen Experten halten es für wahrscheinlich, dass illegale Abholzung und Drogenschmuggel der Hintergrund für die Flucht der Rio Xinane aus Peru ist. Es wäre bei Weitem nicht das erste Mal, dass dies passiert: Die Ureinwohner Südamerikas werden immer wieder Opfer der Profitgier von Holzfällern, Rinderzüchtern oder Goldsuchern.

Erst am Dienstag war ein Bericht der Interamerikanischen Menschenrechtskommission erschienen, der dies bestätigte. Drogenhandel, Rohstoffgewinnung und eingeschleppte Krankheiten sind demnach die größten Gefahren für die traditionellen Indio-Stämme in Südamerika.

Der ungewollte Kontakt mit der übrigen Bevölkerung könne das Ende für die rund 200 isoliert lebenden Völker in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru und Venezuela bedeuten, hieß es in dem Report . Zwar seien den Ureinwohnern Schutzgebiete von insgesamt mehr als neun Millionen Hektar eingeräumt worden, allerdings werde die selbst gewählte Isolation nicht immer respektiert.

mbe/Reuters/AFP/dpa
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