Verbrauchertipps Was Sie gegen die Feuer in Brasilien tun können

Die Waldbrände in Brasilien sind weit weg von Deutschland. Trotzdem können wir alle dazu beitragen, solche Katastrophen einzudämmen. Diese Maßnahmen helfen.

Verbrannter Wald in Altamira in Brasilien
Joao Laet/ AFP

Verbrannter Wald in Altamira in Brasilien


Die Feuer in Brasiliens Amazonasregion wüten weiter. Seit Wochen ziehen zahlreiche Rauchwolken durch die besonders stark betroffenen Bundesstaaten Rondônia und Roraima. Und auch in den Nachbarländern Paraguay und Bolivien stehen Wälder in Flammen.

Der Grund für die Feuer ist der Mensch. Zwar kommt es während der Trockenzeit immer mal wieder zu Waldbränden. Doch der überwiegende Teil der Feuer wurde absichtlich gelegt.

Das Problem bei den Bränden ist: Eigentlich sind sie nur ein Indikator dafür, wo schon vor Wochen und Monaten der Regenwald abgeholzt wurde. Zum großen Teil steht nicht der feuchte Regenwald in Flammen, sondern trockenes Kleinholz. Es wurde auf den zuvor gerodeten Lichtungen einfach liegen gelassen. Das Holz der großen Bäume wird dagegen direkt nach dem Fällen abtransportiert und vermarktet. Nach den Bränden bleibt auf den Brachen nur die Asche zurück. Das Stück Land ist nun frei für Rinder-Weideflächen oder kann als Ackerland für den Sojaanbau genutzt werden.

Brasilien ist weit weg, Hilfe für den Amazonaswald scheint von hier nicht möglich zu sein. Doch langfristig gibt es durchaus ein paar Dinge, die Verbraucher in Deutschland unternehmen können:

Holzgewinnung ist einer der Gründe für den Niedergang der Amazonaswälder. Der nachwachsende Rohstoff wird etwa für die Papier- und Zellstoffherstellung benötigt. Laut der Umweltschutzorganisation Nabu verbraucht jeder Deutsche etwa 200 Kilogramm Papier pro Jahr. Beim Kauf sollten Kunden vor allem auf Ökopapier achten, rät der Nabu. Auch Recycling-Klopapier ist sinnvoll. Zudem lässt sich der Schreibpapierverbrauch durch beidseitiges Beschreiben und weniger Ausdrucke am Computer verringern.

Video von den Waldbränden: "Man kann dabei zusehen, wie der Wald stirbt"

DER SPIEGEL

Auch beim Holz- und Möbelkauf können Konsumenten einiges tun. Holz aus nachhaltigerer Forstwirtschaft ist mit dem FSC-Siegel gekennzeichnet. Dieses Siegel sowie das von Naturland zeichnet auch Grillkohle aus. Denn auch die wird häufig aus Tropenholz hergestellt.

Mehr als die Hälfte aller abgeholzten Flächen im Amazonasgebiet sind Weidegebiete für die Fleischwirtschaft. Brasilien ist der größte Exporteur für Rindfleisch weltweit. In dem Land leben laut der nationalen Statistikbehörde ungefähr 215 Millionen Rinder. In den letzten beiden Dekaden haben sich die Exporte mehr als vervierfacht. Die größten Fleischmengen gehen nach Asien. Dennoch sind auch die Importe in die EU gestiegen. Konsumenten können ihren Fleischkonsum reduzieren und bevorzugt einheimische Produkte kaufen.

Allerdings trägt auch die deutsche Fleischindustrie eine Verantwortung. Denn in Mastbetrieben wird eiweißreiches Soja verfüttert, das teils aus Brasilien eingeführt wird. Rund 6,5 Prozent der abgeholzten Fläche im Amazonasgebiet wird für den Ackerbau genutzt, der Anteil von Sojabohnen ist zuletzt allerdings zurückgegangen. Verbraucher, die auf den Regenwald achtgeben wollen, sollten deshalb auch bei deutschem Fleisch auf Bioprodukte setzen und auf Ökosiegel achten.

Auch bei der Anschaffung von Smartphones können Verbraucher nachhaltiger handeln. Für die Produktion werden seltene Edelmetalle benötigt, beispielsweise Seltene Erden. Mit 22 Millionen Tonnen besitzt Brasilien nach China die zweitgrößten Reserven weltweit. Das Land hatte angekündigt, Millionen in den Abbau dieser begehrten Rohstoffe zu investieren. Doch dafür müssen Minen gebaut werden, für die auch Waldflächen weichen müssen. Deshalb sollten Nutzer ihr Smartphone so lange wie möglich verwenden und nicht jedes Mal das neueste Modell kaufen.

Global SuperTanker

Zuletzt hatte Grünen-Chefin Annalena Baerbock einen Importstopp für Soja und Rindfleisch von aktuellen Brandrodungsflächen in Brasilien gefordert. "Wir können Rindfleisch und Soja aus diesen zerstörten Gebieten nicht weiter auf den europäischen Markt importieren, ansonsten retten wir dieses wunderbare Stück Erde nicht", sagte sie am Donnerstag.

In der Kritik steht auch das Mercosur-Handelsabkommen. Durch den neuen Vertrag will die EU mit den vier südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Sollte er ratifiziert werden, sparen die Unternehmen künftig Zölle in Milliardenhöhe beim Austausch von Waren. Dann könnten noch mehr Produkte, für deren Herstellung Wald verdrängt wird, nach Europa gelangen.

joe

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DerFreddy 30.08.2019
1. Wir retten den Regenwald so nicht.
Wie im Artikel richtig beschrieben, gibt es neben Deutschland noch weitere Länder auf der Erde, die weniger Klimapanik schieben, dafür nach Wohlstand streben. Wenn Deutschland 100% der Importe stoppt, wird das Brasilien nicht einmal merken. Will man ein Land zur Verhaltensänderung zwingen, muss man lange Jahre weltweiter Sanktionen durchführen. So etwas kann die USA initiieren, aber sicher nicht Deutschland.
onkel-ollo 30.08.2019
2. Globale Logistik-Ketten, die einfach nur verrückt machen
Da kann man sich selber eigentlich nur vor starken Kopfschmerzen und Migräne schützen, indem man NICHT hinschaut und der Kopf daran nicht zerbrechen kann. Denn ich frage mich, wie Wirtschaftsminister Altmaier die Freihandesabkommen mit Japan und Südamerika als einen tollen Erfolg verkaufen kann, wo es im Ergebnis doch wieder nur zu zusätzlichen irrsinnigen globalen Transportketten kommen wird. So sagte er sinngemäß (aus dem Gedächtnis), daß frisches Sushi direkt aus Japan doch eine tolle Sache sei. Eine tolle Sache sind sicherlich auch Joghurt aus dem Allgäu, den man in Lübeck kaufen kann und Mineralwasser aus Italien, das in Flaschen nach Skandinavien gekarrt wird. Es werden aber keine dort dringend benötigten Lebensmittel transportiert, sondern nur ein Splin von Lebensgefühl. Marken werden verkauft. Denn Schleswig-Holstein kann so gut selber Joghurt herstellen wie es in Skandinavien genug Trinkwasser gibt. Rindfleisch werden wir dann aus Braslilien bekommen, damit wir unser Schweinefleisch nach Asien verschiffen können, um von dort Fischhappen zu beziehen. Und unser deutsches Milchpulver macht laut Phoenix-TV-Reportage in Afrika immer mehr Strukturen einheimischer Milchwirte/Bauern kaputt. JEDER Verkehr verbraucht Energieressourcen, egal wohin. Die Zustände sind einfach nur irre. HILFE, was ziehen wir da immer weiter auf??? Es wird kein Ende finden...
lobstah 30.08.2019
3. Soja für Veganer?
Wie sieht es eigentlich mit den vielen "Lifestyle-Veganern" aus? Sollten die sich nicht auch mal überlegen, ob sie demnächst mal weniger des teuren coveniance food im Bioladen à la "Sojasteak wie Wiener Schnitzel" kaufen und mal "echt" vegan kochen, um den Sojakonsum durch Verzehr von Fertiggerichten zu reduzieren?
mariavogelhund 30.08.2019
4. Palmöl
Ein Tipp fehlt mir in diesem Artikel - riesige Flächen Regenwald müssen nicht nur dem Anbau von Soja für europäische Märkte weichen, sondern auch für Palmöl. Wir sollten bewusst Produkte wählen, die kein Palmöl enthalten - was verdammt schwer ist, denn das Zeug ist mittlerweile überall drin, weil es für die Industrie so billig zu haben und so leicht zu verarbeiten ist. Nehmen Sie sich beim nächsten Einkauf die Zeit, die Liste der Inhaltsstoffe zu lesen, und boykottieren Sie Palmöl wo immer möglich.
Cristiano 30.08.2019
5. Mangelndes Engagement für die Wahrheit
Das ist ein großer Slapstick! Wälder brennen auf der ganzen Welt. Afrika (Kongo und Angola), Alaska, Sibirien und Grönland erleiden große Brände. Neu ist jedoch nur Brasilien. Spigel ist eine voreingenommene Zeitung !!!
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