Verschollene Flugpionierin Earhart "Titanic"-Finder will legendäres Flugzeugwrack aufspüren

Seit 1937 ist Amelia Earhart verschollen. Eine Hightech-Expedition soll nun den Ort finden, an dem die Maschine der Flugpionierin in den Pazifik stürzte. Geleitet wird sie von einer echten Koryphäe.

Amelia Earharts Flugzeug bei ihrem letzten Start in Neuguinea - Stunden später verschwand die Flugpionierin
AP Photo / TIGHAR

Amelia Earharts Flugzeug bei ihrem letzten Start in Neuguinea - Stunden später verschwand die Flugpionierin


Robert Ballard ist gut darin, verlorene Dinge wiederzufinden. Das Wrack der "Titanic" hat er 1985 zusammen mit seinem Kollegen Jean-Louis Michel aufgespürt, später auch das des deutschen Schlachtschiffs "Bismarck" und des gesunkenen US-Flugzeugträger "USS Yorktown". Mehrere Schiffe aus römischer und byzantinischer Zeit hat der 77-Jährige ebenfalls orten können.

Nun hat sich Ballard erneut auf die Suche gemacht. Am Ende soll eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte gelöst sein. Es geht um das Schicksal der amerikanischen Flugpionierin Amelia Earhart. Deren Spur hatte sich am 2. Juli 1937 im Pazifik verloren. In ihrem Flugzeug war sie damals zusammen mit ihrem Navigator Fred Noonan auf dem letzten Abschnitt einer Weltumrundung.

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Amelia Earhart: Mysteriöses Ende einer Flugpionierin

Zuletzt hatte Earhart auf dem Weg von Neuguinea nach Hawaii die Howlandinsel anfliegen wollen. Aber dort waren sie und Noonan nicht angekommen, offenbar hatte es Probleme bei der Funkpeilung gegeben. Eine anschließende Suche der Navy nach dem Wrack war ergebnislos abgebrochen worden, Earhart und Noonan wurden für tot erklärt. Allerdings gibt es zahllose Theorien, wonach sie doch überlebt haben könnten - und zum Beispiel von japanischen Truppen gefangen genommen wurden.

Ballard und ein Begleitteam sind derzeit mit dem Expeditionsschiff "Nautilus" in der Region unterwegs. Sie suchen rund um eine zu Kiribati gehörende Insel nach dem Wrack. Die Insel heißt Nikumaroro Island, zur Zeit des Absturzes lautete der Name aber Gardner Island.

Ballard sucht in der Region wegen eines Fotos aus dem Oktober 1937. Es stammt von einem britischen Kolonialoffizier, der eigentlich den nahe der Insel auf Grund gelaufenen britischen Frachter "Norwich City" fotografiert hatte. Am Rand des Bildes hat er möglicherweise zufällig einen Teil des Fahrwerks von Earharts Lockheed 10-E Electra dokumentiert, glauben einige Experten. Nach diesen Überbleibseln der Maschine will Ballard suchen.

Unvollständiges Skelett entdeckt

Eine Gruppe namens International Group for Historic Aircraft Recovery (TIGHAR) versucht seit Jahren, das Wrack bei Nikumaroro Island zu finden. Ballard soll es nun gelingen. Dabei sollen ihm unter anderem ein 3D-Sonar und ferngesteuerte Unterwasserroboter helfen, die bis zu 4000 Meter tief tauchen können.

Allerdings befindet sich die Insel auf einem riesigen Unterwasservulkan, dessen Flanken große Schluchten aufweisen - das erschwert die Suche auf dem Meeresgrund. Es sei möglich, dass Earharts Flugzeug von Gezeiten und Strömung von dem ursprünglichen Absturzort in tiefer gelegenes und unübersichtliches Terrain transportiert worden sei, hieß es.

Ob Ballard das Wrack also tatsächlich aufspüren kann, ist unklar. Aber wer, wenn nicht er, könnte man meinen. Auf Nikumaroro Island war 1949 übrigens auch ein unvollständiges Skelett entdeckt worden, das nach Meinung mancher Experten von Earhart stammte. Es war allerdings beim Transport auf die Fidschi-Inseln, wo es näher untersucht werden sollte, verloren gegangen.

chs



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