Analyse der Mona Lisa Ein leicht angewidertes Lächeln

Das berühmte Lächeln der Mona Lisa beschäftigt Kunsthistoriker und Psychologen gleichermaßen. Jetzt glauben niederländische Forscher das Rätsel mit einer Software gelöst zu haben: Die Dame war zu 83 Prozent glücklich - und zu neun Prozent angewidert.


Wer schon immer seine Zweifel hatte an der angeblich glücklichen Mona Lisa, wird jetzt durch eine neue Software-Analyse bestätigt. Nicu Sebe von der Universität Amsterdam testete an dem berühmten Gemälde von Leonardo da Vinci ein Emotions-Erkennungs-Programm. Überraschendes Ergebnis: Die Dame war zwar zu 83 Prozent glücklich, aber ihr Gesichtsausdruck soll auch zu neun Prozent angewidert, zu sechs Prozent ängstlich und zu zwei Prozent zornig sein.

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Mona Lisa: Das Geheimnis des Lächelns

Das Programm wurde zusammen mit Forschern der University of Illinois entwickelt und soll an Hand von Schlüsselmerkmalen wie Lippenwölbung und Fältchen um die Augen sechs menschliche Basis-Emotionen erkennen. Wie der "New Scientist" berichtet, nutzte Sebe eine Datenbank mit Gesichtern junger Frauen, aus denen die Software einen Mittelwert errechnete - das emotionslose Gesicht sozusagen. Dieses wurde dann mit dem Gesicht der Mona Lisa verglichen.

Die Wissenschaftler hoffen, dass eine solche Emotionserkennung eines Tages in die Reaktionen von Computern auf das menschliche Gegenüber einfließt. Auch intelligente Überwachungssysteme sollen damit möglich sein.

Am rätselhaften Lächeln der Mona Lisa haben sich bereits mehrfach Wissenschaftler versucht. Der französische Historiker Jules Michelet erblickte vor mehr als hundert Jahren im Gesicht der Schönheit so etwas wie hypnotisierende Bosheit. Kunstexperten glauben, dass eine spezielle Maltechnik da Vincis zu widersprüchlichen Interpretationen des Lächelns führt. Der Meister verwandte häufig durchsichtige Farben, mit denen er bestimmte Stellen mehrfach übermalte. Dadurch verschwimmen diese, was der Figur eine geheimnisvolle Aura verleiht.

Im Jahr 2004 überlagerten zwei Wissenschaftler vom Smith Kettlewell Institute for Vision Research in San Francisco die Mund- und die Augenpartie mit einem Bildrauschen. Diese modifzierten Bilder der Mona Lisa zeigten sie anschließend zwölf Versuchspersonen. Überraschenderweise entschied allein die Mundpartie darüber, welche Emotionen die Betrachter der Dame zuordneten. Die Augen spielten keine Rolle, obwohl sie oft als Spiegel der Seele gelten.

Ob die neueste Analyse per Emotionssoftware aber tatsächlich das Ende der Debatte bedeutet, ist fraglich. Für das Museum im Pariser Louvre ist Da Vincis Meisterwerk eine Dauerattraktion: Tausende Touristen aus der ganzen Welt kommen jeden Tag in das Museum, um Mona Lisas Rätsel selbst zu ergründen.



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