Essgewohnheiten der Vorfahren Jeden Tag Nussgras

Wie ernährten sich die Menschen vor Jahrtausenden? Forscher haben jetzt eine neue Quelle für solches Wissen entdeckt: alten Zahnstein. Er verrät auch, warum Steinzeitmenschen so wenige Löcher in den Zähnen hatten.
Centro Studi Sub-Sahariani: Begräbnisstätte im heutigen Sudan, über Jahrtausende genutzt

Centro Studi Sub-Sahariani: Begräbnisstätte im heutigen Sudan, über Jahrtausende genutzt

Foto: DPA/ CSSeS/ Donatella Usai

Zahnstein, uralter noch dazu, ist nicht eben appetitlich. Doch Wissenschaftler haben dem Belag jahrtausendealter Zähne jetzt detaillierte Erkenntnisse über die Ernährungsweisen der damaligen Menschen entlockt. Die Wissenschaftler um Stephen Buckley von der britischen University of York haben Skelette aus einer Begräbnisstätte im heutigen Sudan untersucht, die über Jahrtausende genutzt wurde. Sie analysierten die chemische Zusammensetzung des Zahnsteins und winzige Einschlüsse darin, sogenannte Mikrofossilien.

Das Ergebnis: Schon in der Mittelsteinzeit verzehrten die Menschen reichlich Pflanzen - lange bevor es Landwirtschaft gab. Das chemische Profil wies vor allem auf Nussgras (Cyperus rotundus) hin. Dessen Spuren fanden die Forscher im Zahnschmelz der Skelette von der Mittelsteinzeit etwa 6700 Jahre vor Christus bis in die Zeit um etwa 400 nach Christus, als die Menschen schon Landwirtschaft betrieben.

Nussgras ist ursprünglich in Afrika, Süd- und Zentraleuropa sowie in Südasien heimisch. Mittlerweile ist es allerdings fast überall in gemäßigten und tropischen Regionen zu finden. Vielerorts wird es als Unkraut bekämpft. Die Pflanze ist reich an Kohlenhydraten, sehr aromatisch und wird traditionell in der Pflanzenheilkunde verwendet.

Biografische Details

Vermutlich erklärt der prähistorische Verzehr der Pflanze auch, warum die Menschen im Niltal so außergewöhnlich wenige Löcher in ihren Zähnen hatten, berichten die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "PLoS One" . Nussgras hemmt das Bakterium Streptococcus mutans, einen häufigen Karies-Verursacher.

Die Forscher fanden außerdem chemische Hinweise darauf, dass die Pflanzen gekocht oder im Feuer zubereitet wurden. Die Menschen haben sie aber vermutlich nicht nur gegessen, sondern auch als Rohmaterial bei der Herstellung von Gegenständen genutzt und dabei mit den Zähnen festgehalten oder bearbeitet.

"Diese kleinen biografischen Details ergänzen die zunehmenden Hinweise darauf, dass prähistorische Menschen schon lange vor der Entwicklung der Landwirtschaft ein detailliertes Verständnis von Pflanzen hatten", erklärt die Erstautorin Karen Hardy vom Katalanischen Institut für Forschung und fortgeschrittene Studien (ICREA) im spanischen Barcelona.

"Durch die Analyse von Zahnstein verfügen wir über eine neue Möglichkeit herauszufinden, welche Pflanzen verzehrt wurden. Das wird die Auffassung darüber, was die prähistorischen und vorlandwirtschaftlichen Völker über die Pflanzen und deren Nutzung wussten, erweitern, wenn nicht revolutionieren."

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boj/dpa
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