Anbau unrentabel Bayer stoppt Genmais-Einführung

In Großbritannien wird nun doch kein genetisch veränderter Mais von Bayer angebaut. Das Unternehmen warf der britischen Regierung vor, mit ungewissen Auflagen die Einführung der fünf Jahre alten Maissorte unrentabel gemacht zu haben.


Gen-Mais: Markteinführung nicht rentabel
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Gen-Mais: Markteinführung nicht rentabel

1999 hatte die EU den Anbau der Maissorte "Chardon LL" grundsätzlich genehmigt. Die genetisch veränderte Sorte stammt aus den Labors von Bayer Cropscience. Doch bis heute wird Chardon LL nirgendwo in Europa angebaut. Und das dürfte auf absehbare Zeit auch so bleiben.

In Großbritannien machte die Bayer-Tochter heute einen Rückzug und stoppte ihre Pläne zur Markteinführung. Ursprünglich sollte der Mais auch in Deutschland und den Niederlanden angebaut werden, wie Bayer auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mitteilte. Bis heute wurden diese Vorhaben jedoch nicht umgesetzt.

Chardon LL wurde gentisch so verändert, dass die Maispflanzen resistent gegen ein bestimmtes Herbizid sind. Dadurch ließen sich Pflanzenschutzmittel "präziser einsetzen", erklärte Cropscience-Sprecher Lutz Knabe.

Eine Markteinführung der nunmehr fünf Jahre alten Maissorte in Großbritannien sei nicht mehr rentabel, teilte das Unternehmen mit. Bayer verwies darauf, dass die britische Regierung die Auflagen für den Anbau noch nicht festgelegt habe und dadurch weitere Verzögerungen zu erwarten seien.

Nach Informationen des britischen Umweltministeriums wird infolge dieser Entscheidung nun in der "absehbaren Zukunft" überhaupt kein genetisch verändertes Getreide in Großbritannien angebaut werden. "Wir entschuldigen uns nicht für die Tatsache, dass es EU-weite Regeln für Gen-Getreide gibt. Diese gelten für die Europäische Union insgesamt, nicht bloß für Großbritannien", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Die britische Regierung hatte erst vor wenigen Tagen, am 9. März, den Anbau der Genmais-Sorte Chardon LL in Großbritannien im Grundsatz und unter Auflagen erlaubt. Allerdings wurde mit Verzögerungen gerechnet, weil die Regionalparlamente in Wales und Schottland ein Vetorecht zur Genehmigung neuer Sorten besitzen. Auch hatten Gentechnik-Gegner gerichtliche Klagen angekündigt.

Bei Umfragen in Großbritannien sprachen sich zuletzt bis zu 90 Prozent der Teilnehmer gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen aus. Kritiker warnen immer wieder vor in ihren Augen unabsehbaren Risiken der Gentechnik. Die Auswirkungen manipulierter Arten auf Flora und Fauna seien ungewiss. In den USA gehören genetisch veränderte Pflanzen im Unterschied zu Europa bereits zum Alltag in der Landwirtschaft.

Holger Dambeck



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