Andromeda-Galaxie Im Weltall schlägt ein seltsames Herz

Eine extrem schnell pulsierende Röntgenquelle in der Nachbargalaxie der Milchstraße hat Astronomen in Verzückung versetzt. Der ferne Herzschlag weist möglicherweise auf eine neue Art der Weißen Zwerge hin.


Das Weltall ist voller wundersamer Objekte - selbst in den Augen von professionellen Astronomen. Der Röntgensatellit "XMM-Newton" der europäischen Weltraumorganisation Esa ist nun auf ein weiteres Objekt im kosmischen Kuriositätenkabinett gestoßen.

Röntgenblick: Beim Studium der Andromeda-Galaxie stieß der Röntgensatellit "XMM-Newton" auf ungewöhnliche Objekte
S. Trudolyubov

Röntgenblick: Beim Studium der Andromeda-Galaxie stieß der Röntgensatellit "XMM-Newton" auf ungewöhnliche Objekte

In der Andromeda-Galaxie, nur 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und der Milchstraße sehr ähnlich, existieren demnach Röntgenquellen, die sich mit den bisherigen astronomischen Theorien nur schwer erklären lassen. Bei den meisten Quellen in dieser Region handelt es sich, das haben bereits frühere Missionen gezeigt, um Röntgen-Doppelsterne: Ein enorm massereiches Objekt, meist ein Schwarzes Loch oder ein dicht gepackter Neutronenstern, wird dabei von einem deutlich leichteren Begleiter umkreist.

Das strahlende Paar erweist sich dabei als höchst ungleich: Aufgrund seines Gewichtsvorteils saugt das schwere Objekt kontinuierlich Masse von seinem Begleiter ab. Während sich die Materie rund um das Zentrum ansammelt und schließlich in das Schwarze Loch fällt, wird Röntgenstrahlung frei.

Doch nicht nur harte Strahlung, auch hohe Temperaturen entstehen bei diesen Prozessen. Normalerweise. Nicht so bei der jetzt entdeckten Andromeda-Röntgenquelle. Deren Temperatur liegt bei weniger als einer Million Grad Celsius - zehn- bis hundertmal weniger als bei vergleichbaren Quellen in derselben Region.

Astrophysiker, nie um griffige Begriffe verlegen, sprechen von "supersoften" Röntgenquellen. Vermutlich strömen kontinuierlich große Mengen an Materie vom Begleiter zum Massezentrum und sorgen so für ein konstantes thermonukleares Feuer auf kleiner Flamme.

Überrascht hat die Astronomen vor allem der Herzschlag der neu entdeckten Röntgenquelle. "Dieses Objekt pulsiert mit einer Periode von 14 Tagen", sagt Julian Osborne von der britischen Leicester University. Eine derart schnelle Rotation deutet normalerweise auf einen Weißen Zwerg, einen extrem dichten und kompakten Stern, hin, der von einem leichteren Stern in sehr geringer Entfernung umkreist wird. Da sich die beiden Partner dabei allerdings sehr nahe kommen, kann ein derartiges System nicht sonderlich hell sein - zumindest nicht hell genug, um es in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren noch ausmachen zu können.

Daher suchen die Astronomen nach anderen, plausibler klingenden Erklärungsversuchen. Möglicherweise, so die derzeit favorisierte Hypothese, besitzt der Weiße Zwerg ein starkes Magnetfeld. Der kosmische Magnet könnte gerade mächtig genug sein, um die Röntgenemissionen zum Pulsieren zu bringen, aber zu schwach, um die Umlaufdauer des Begleiters zu beeinträchtigen.

"Nach unseren Vorstellungen saugt der Weiße Zwerg von seinem eiförmigen Begleiter so viel Materie ab, dass kontinuierlich Wasserstoff zu Helium verbrannt werden kann", sagt Osborne. "In diesem speziellen Fall ist das leuchtende Material aber auf eine kleine Region beschränkt - wahrscheinlich durch ein starkes magnetisches Feld."

Noch bleiben aber viele Rätsel ungelöst, darunter eine für die ordnungsliebende Zunft der Astronomen grundlegende Frage: In welche Kategorie lässt sich das seltsame Herz denn stecken? Eine derartige Ungewissheit lässt die Forscher natürlich nicht ruhen. Weitere Beobachtungen mit dem Röntgensatelliten "XMM-Newton" sind bereits angesetzt.



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