Radioaktive Substanzen in Ohio Angereichertes Uran an US-Schule gefunden

In Ohio schließt eine Schule, weil dort angereichertes Uran nachgewiesen wurde. Wie groß die Gefahr für Schüler und Lehrer ist, steht noch nicht fest. Es gibt einen Verdacht zum Verursacher der Strahlenbelastung.

Gelbkuchen entsteht als Gemisch bei der Aufbereitung von Uranerzen (Archivbild)
Pallava Bagla/ Getty Images

Gelbkuchen entsteht als Gemisch bei der Aufbereitung von Uranerzen (Archivbild)


Im US-Bundesstaat Ohio wurde der Betrieb an einer Schule eingestellt, in der Experten radioaktives Uran sowie Neptunium 237 gefunden haben.

Der Fall ereignete sich in der Zahn's Corner Middle School, einer weiterführenden Schule in der Stadt Piketon. Die Messungen stammen aus dem April. Sie liegt etwa 130 Kilometer östlich von Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Woher die Substanzen stammen, ist noch unklar, berichtet "Newsweek".

Die Bildungseinrichtung, die etwa 320 Schüler besuchen, bleibe bis auf Weiteres geschlossen. Experten arbeiteten daran, die Quelle für das Uran und das Neptunium zu finden, hieß es. "Es gibt einfach keinen genauen Plan, wie wir mit so einer Situation umgehen", zitiert "Newsweek" einen Schulbeamten. Man wolle den Betrieb aber erst dann wieder aufnehmen, wenn die Quelle sowie das Level der Kontamination bekannt seien und man wisse, ob Gefahr für die Gesundheit besteht.

Uran kann sich in den Knochen anreichern und Krebs verursachen. Es wird aus Mineralien gewonnen, die in großen Minen abgebaut werden. Um das Metall als Brennstoff für die Atomenergie oder für Atomwaffen nutzen zu können, muss Natururan angereichert und aufwendig in großtechnischen Anlagen behandelt werden. Neptunium, die zweite gefundene Substanz, ist ein giftiges und radioaktives Schwermetall. Es fällt in Kernreaktoren an und wird erneut in Brennstäbe gefüllt, um Plutonium zu erzeugen.

Laut einem Bericht von CNN haben einige Bewohner der Region die Portsmouth-Gasdiffusionsanlage als Quelle für die Substanzen in Verdacht. Sie befindet sich nur etwa drei Kilometer von der Schule entfernt und hatte seit den Fünfzigerjahren Uran angereichert, das zunächst für die Atomwaffenproduktion und später für Atomkraftwerke verwendet wurde. Die Urananreicherung an dem Standort endete 2001, seitdem wird die Fabrik unter Aufsicht des Energieministeriums einem Sanierungs- und Dekontaminierungsprogramm unterzogen.

Radioaktive Belastung in Piketon wurde laut Jennifer Chandler, einer Stadträtin, schon im März durch den jährlichen Bericht des Energieministeriums festgestellt. Offenbar wurden die Proben routinemäßig von einer Luftmessstation vor der Schule genommen, sie stammen aus dem Jahr 2017. "Erst zwei Jahre später wurden die Daten an die Öffentlichkeit weitergegeben", kritisiert Chandler.

Gutachter finden Uran in der Schule

Nach Angaben des Energieministeriums bestehe keine Gefahr. Beamte haben erklärt, dass die Strahlenbelastung im Bereich der Anlage mehr als eintausend bis zehntausend Mal unter den festgelegten Schwellwerten liegen würde.

Ein unabhängiges Gutachten von Forschern der Northern Arizona University, das die Gemeinde nach dem Bericht in Auftrag gab, sieht die Portsmouth-Anlage als mögliche Quelle für die radioaktiven Substanzen. Zum Zeitpunkt der Messungen wurden dort große Mengen Bauschutt beseitigt, was viel Staub aufwirbelte. Für das Gutachten, das Ende April veröffentlicht wurde, wurden verschiedene Proben genommen - auch die mit dem angereicherten Uran aus der Zahn's-Corner-Schule.

joe

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