Verschmutzung durch Black Carbon Wie Antarktis-Tourismus die Eisschmelze beschleunigt

Mit Kreuzfahrtschiffen und auf Forschungsstationen – jeder Besuch der Antarktis trägt zum Abschmelzen des Eises bei. Das Problem ist einer neuen Studie zufolge ultrafeiner Kohlenstoff, der sich auf den Schnee legt.
Ein Airbus A340, ein Großraum-Passagierflugzeug, landet auf dem antarktischen Kontinent

Ein Airbus A340, ein Großraum-Passagierflugzeug, landet auf dem antarktischen Kontinent

Foto: Cover-Images / IMAGO

83 Tonnen Schnee – so groß ist der Beitrag, den jede Besucherin und jeder Besucher der Antarktis zum Abschmelzen des dortigen Eisschildes leistet. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in der Fachzeitschrift »Nature Communications«  erschienen ist.

Der Grund ist Black Carbon, also schwarzer Kohlenstoff, den man sich als extrem feinen Ruß vorstellen. Er entsteht bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe oder Biomasse. Wenn sich die feinen Partikel auf einer weißen Oberfläche – wie Schnee – absetzen, heizt sich die nun dunklere Flächen stärker auf. Der schwarze Film lässt den Schnee schneller schmelzen.

74.000 Touristen in einer Saison

Die menschliche Präsenz auf dem antarktischen Kontinent hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen: In der Saison 2019/2020 besuchten nach Angaben der International Association of Antarctica Tour Operators, eines internationalen Verbands von Reiseveranstaltern, mehr als 74.000 Touristen  die Antarktis. Das seien beinahe doppelt so viele wie noch vor einem Jahrzehnt. Die sommerliche Hochsaison währt in der Antarktis normalerweise von November bis März.

Die Verschmutzung durch Black Carbon, die jeder und jede Einzelne indirekt über Schiffe, Flugzeuge und Dieselgeneratoren verursache, führe in den am häufigsten besuchten Gebieten jeden Sommer zu einer zusätzlichen Schneeschmelze von 23 Millimetern.

Für diese Untersuchung hatte ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen den Jahren 2016 und 2020 an 28 Standorten, die sich über 2000 km von der Nordspitze der Antarktis bis zum Ellsworth-Gebirge erstrecken, jährliche Schneeproben genommen. In dem Zeitraum der Untersuchung seien geschätzt 53.000 Touristen in die Antarktis gereist.

Der Beitrag von Forscherinnen und Forschern sei sogar noch etwa zehnmal höher als der eines Touristen. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten Schiffe, Flugzeuge, Hubschrauber und Generatoren – und in der Regel fossile Brennstoffe, um diese Gefährte und Geräte anzutreiben.

Noch ist der Schnee der Antarktis der sauberste der Welt

Bislang sei der Schnee der Antarktis der sauberste der Welt – sein Ausgangswert für Black Carbon liege bei etwa einem Teil pro einer Milliarde. »Das ist 1000 Mal weniger als im Himalaja und 100 Mal weniger als in den Anden oder in den Rocky Mountains«, sagte Raúl Cordero von der Universität Santiago de Chile, ein Mitautor der Studie. An einigen Standorten auf der antarktischen Halbinsel sei die Konzentration mittlerweile jedoch bereits zwei- bis viermal so hoch wie in anderen Teilen des Kontinents. Cordero forderte eine Diskussion darüber, ob die Zahl der Touristinnen und Touristen in der Antarktis möglicherweise begrenzt werden müsse. Vor allem aber dürften keine fossilen Brennstoffe mehr verbrannt werden.

Cordero wies darauf hin, dass weitaus weniger Schnee und Eis wegen der Verschmutzung schmelzen würden, als durch die globale Erwärmung verloren gingen. Die Studie unterstreiche jedoch die Notwendigkeit eines Übergangs zu erneuerbaren Energiequellen – auch in der Antarktisforschung: Technische Alternativen zu Diesel stünden bereits zur Verfügung. Die belgische Prinzessin-Elisabeth-Forschungsstation  etwa werde hauptsächlich durch Windkraft betrieben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Beitrag der einzelnen Antarktis-Besucherinnen und -Besucher mit »83 Tonnen Black Carbon« angegeben, es handelt sich aber um 83 Tonnen schmelzenden Schnee. Der Fehler wurde korrigiert.

vki