Römische Grabmäler in Trier Trendsetter der Antike

Forscher bergen 1500 antike Kunstwerke in Trier, einst Hauptstadt des Weströmischen Reichs. Der Realismus der Darstellungen auf den alten Grabdenkmälern beeindruckt.


Wer konnte, ließ sich im antiken Trier nach seinem Tod ein Grabdenkmal setzen. Gebaut wurde nach Status und Geldbeutel: Die knallbunten Monumente waren zwischen einem Meter und 30 Metern hoch. "Jeder wollte das Größte", sagt Markus Scholz, Archäologe an der Universität Frankfurt in Trier.

Es entstanden Gräberstraßen mit zahlreichen Denkmälern. Trier war zu römischen Zeiten nicht nur ein wichtiges Finanzzentrum, sondern zeitweise auch Hauptstadt des Weströmischen Reiches.

Doch vieles über die Trierer Grabdenkmäler ist noch unbekannt. Das soll sich nun mit einem Forschungsprojekt ändern. Wissenschaftler erfassen erstmals rund 1500 Steinblöcke und Fragemente von antiken Grabmonumenten, die seit Jahren in den Depots des Rheinischen Landesmuseums Trier lagern.

"Wir können nun ganz systematisch die Grabdenkmäler einer der wichtigsten Städte des römischen Imperiums aufarbeiten", sagte Anja Klöckner, Archäologin an der Universität Frankfurt in Trier.

Die Grabdenkmäler seien von handwerklich hoher Qualität. Trier sei mit seinen außergewöhnlichen Bildreliefs auf den Monumenten Trendsetter in der Antike gewesen.

Einblicke in das Alltagsleben

Da sind Alltagsszenen zu sehen, ebenso wie Verweise auf die Quellen des Reichtums: Der Tuchhändler bildete Händler mit Tüchern ab, der Weinhändler Szenen mit Weinfässern.

"Von der Bildsprache erhoffen wir uns Einblicke in das Alltagsleben jener Zeit", sagt Scholz. "Bisher ist Trier vor allem aus spätantiker Sicht wahrgenommen worden, das frühe erste Jahrhundert ist noch kaum erforscht."

Im römischen Imperium habe es von der Fülle und Detailfreudigkeit nichts Vergleichbares gegeben, sagt der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter.

Die Macher hätten nichts idealisiert: "Da sind Menschen mit Halbglatzen und Hasenscharten abgebildet. Alles ganz realistisch."

Tonnenschweren Objekte

Die bekannteten Grabdenkmäler aus der Moselregion sind das größte erhaltene römische Pfeilergrabmal nördlich der Alpen, die Igeler Säule bei Trier, und das "Neumagener Weinschiff" eines römischen Weinhändlers.

Bei dem Projekt werden die teils tonnenschweren Objekte gesichtet, fotografiert und dann wissenschaftlich beschrieben. Dabei versuchen Wissenschaftler herauszufinden, welche Stücke möglicherweise zu einem Monument gehören.

Experten der Hochschule Mainz werden von besonderen Objekten 3-D-Rekonstruktionen erstellen. Nach drei Jahren soll es eine Ausstellung geben.

Es sei die große Masse an Stücken gewesen, die bislang verhindert habe, dass man sich dem Thema widme, sagt Scholz. Dazu habe es eines Sonderprojekts bedurft.

"Es blutet einem immer das Herz, wenn man durch die Depots geht und sieht, was man alles nicht ausstellen kann: Ob Mosaike, Reliefs oder anderes", sagt Museumschef Reuter. Es sei schlicht zu viel. "Und ständig kommen Neufunde dazu."

Von Birgit Reichert, dpa/boj



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