DNA-Analyse Mücken brachten Rom ins Wanken

Ist das große Römische Reich wegen einer Epidemie untergegangen? Hinweise darauf fanden Forscher in den Zähnen von Toten.

Schädel einer Person aus Velia, Italien
Luca Bandioli/ Pigorini Museum

Schädel einer Person aus Velia, Italien


Schon der Name deutet Richtung Rom: Das Wort Malaria geht wohl auf die italienischen Begriffe mal'aria zurück - übersetzt bedeutet das soviel wie schlechte Luft. Die soll es auch zu Zeiten der alten Römer gegeben haben, denn schon länger gibt es archäologische Hinweise, dass man im Imperium Romanum wohl häufiger unter Malaria gelitten hat. Einige Altertumsforscher gingen sogar so weit, die Krankheit, die durch Mücken übertragen wird, für den Niedergang des Imperiums zumindest mitverantwortlich zu machen.

Eine neue Studie stützt zumindest die weite Verbreitung von Malaria. Dafür haben Wissenschaftler um Hendrik Poinar von der McMaster University in Kanada erstmals DNA-Nachweise des Malaria-Parasiten der Gattung Plasmodium aus Zähnen gewinnen können.

Die Forscher untersuchten die Kieferknochen und Zahnüberreste von 58 Erwachsenen und zehn Kindern. Die Funde stammen von drei verschiedenen antiken Friedhöfen aus den Ortschaften Isola Sacra, Velia und Vagnari. Velia und Isola Sacra waren aufgrund ihrer Lage am Meer einst bedeutende Handelszentren. Die Ausgrabungsstätte Vagnari liegt dagegen im Süden Italiens im zentralen Apulien. Der dort ausgegrabene Friedhof wird als Gräberfeld für die Landarbeiter eines römischen Gutshofs interpretiert. Alle untersuchten Zähne wurden auf die Zeit um das erste und dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert.

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Für die Untersuchung der sogenannten mitochondrialen DNA hatten die Experten ein eigenes Verfahren entwickelt, um den Parasiten Plasmodium falciparum nachweisen zu können. Aus der Zahnpulpa aussagekräftiges Erbgut zu extrahieren, sei nach fast 2000 Jahren sehr schwer gewesen, so die Forscher. Denn der Parasit befällt im Körper bei einer Infektion vor allem Organe, besonders die Leber und die Milz. Dennoch sei es den Forschern gelungen, aus den Überresten zweier Personen aus Velia und Vagnari jeweils mehr als die Hälfte des Genoms von Plasmodium falciparum zu extrahieren. Dieser Parasit verursacht die besonders gefährliche Malaria tropica.

"Unsere Daten zeigen, dass die gefundene Spezies sehr wahrscheinlich der Malaria-Parasit ist und dass er die Menschen aus unterschiedlichen Gegenden stark beeinträchtigt hat", so Stephanie Marciniak, die am Zentrum für antike DNA gearbeitet hat. Auch Poinar vermutete: "Malaria war ein weitverbreiteter historischer Erreger, der für viele Todesfälle im alten Rom verantwortlich war."

Bereits früher hatte es Hinweise auf die Verbreitung von Malaria zur Zeit des römischen Imperiums gegeben. So wurde die Krankheit, die auch als Wechselfieber bekannt war, bereits mehrfach in Skeletten von Kindern nachgewiesen. "Zudem existieren sowohl im alten Rom als auch in Griechenland schriftliche Quellen, die Fieberkrankheiten beschreiben, die sehr an Malaria erinnern", sagt Marciniak. Bereits Hippokrates erwähnt eine verdächtig ähnliche Krankheit, die sich Menschen häufig in Sumpfgebieten zugezogen hatten. Auch auf Malariaepidemien im alten Ägypten gibt es Hinweise. Ein deutscher Forscher hatte in Theben Spuren der Krankheit bei zwei altägyptischen Mumien gefunden. Die Datierung geht bis in das Jahr 1500 vor unserer Zeitrechnung zurück.

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Malaria ist noch immer eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten auf der Erde. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich 2015 weltweit 214 Millionen Menschen mit dem Erreger infiziert, 438.000 Menschen starben, darunter sehr viele Kinder. Die Erreger gelangen über Stiche weiblicher Anopheles-Mücken in die Blutbahn und vermehren sich. Der Körper reagiert mit Fieberschüben und Schüttelfrost.

joe



insgesamt 67 Beiträge
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hwdtrier 05.12.2016
1. Mindestens 50 Jahre alte
Meldung. Hab ich schon in der Schule gelernt.
fuzzi-42 05.12.2016
2. Das....
....war schon vor 50 Jahren im Studium Stand des Wissens! Soooooo neu ist das also nicht!
cindy2009 05.12.2016
3. @#1 und #2
Aha, und auch damals wurde schon ein eventueller Nachweis mittels DNA -Analyse geführt ;-) Erst Artikel lesen, dann meckern.
Pless1 05.12.2016
4. 214 Millionen Neuinfektionen allein 2015?
Das sind rund 3% der Weltbevölkerung. Wenn man bedenkt, dass es durchaus auch Weltregionen gibt, in denen die Malaria kaum eine Rolle spielt (USA, EU etc.) verbleibt für den Rest der Welt eine Infektionsrate auf dem Niveau der Geburtenrate. Im Grunde müsste es dort eine fast 100%ige Durchseuchung geben. Das ist - auch vor dem Hintergrund des weiteren Bevölkerungswachstums - irgendwie schwer vorstellbar.
Das Pferd 05.12.2016
5.
Zitat von cindy2009Aha, und auch damals wurde schon ein eventueller Nachweis mittels DNA -Analyse geführt ;-) Erst Artikel lesen, dann meckern.
OK, schneller.
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